Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

führung der Arbeiten wurde Cormontaigne im Jahre 1728 von Landau nach Metz 
berufen. 
Es wurden folgende Arbeiten durchgeführt: 
1. Auf dem westlichen Ufer des Hauptarmes der Mosel wurde von 1728—1732 das 
Moselfort angelegt, weiträumig genug, um auch Kasernen, ein Militärhospital und 
ein neues bürgerliches Stadtviertel mit der Kirche St. Simon aufzunehmen. 
2. Der Höhenrücken von Belle-Croix, östlich der Seille, von dem aus unschwer die 
Seillefront angegriffen werden konnte, wurde zwischen 1736 und 1740 in die 
Stadtbefestigung einbezogen. 
3. Die mittelalterliche Stadtbefestigung wurde durchgehend überarbeitet, aufgeschüt- 
tete Bastionen mit Steinen ummantelt, einige Tore neu gebaut, der verwinkelte 
Verlauf der alten Stadtmauer durch Begradigungen verkürzt, besonders im Bereich 
der Porte St. Thiébaut und der Porte de Chambière. 
Dadurch wurde auch die bebaubare Fläche innerhalb der Wälle erheblich vergrö¬ 
ßert. Der Bau zahlreicher Kasernen ermöglichte es, die Garnisonstruppen, die bisher 
in Bürgerquartieren gelegen hatten, in Gebäuden des Militärfiskus unterzubringen. 
Die für die Modernisierung von Metz damals ausgegebenen Gelder waren höher als 
die Baukosten von Neubreisach. 
Parallel zur Modernisierung und Verstärkung der Stadtbefestigung bemühte sich 
Marschall Belle-Isle, der Stadt selbst ein modernes Antlitz zu geben. Es entstand unter 
ihm und seinen Nachfolgern eine Reihe repräsentativer Bauten und Platzanlagen, wie 
das Gebäude der Intendantur (heute Präfektur), das Theater, der Gouverneurspalast 
(heute Justizpalast) und der Place d’Armes an der Ostseite der Kathedrale. Der be¬ 
kannteste der hier tätigen Architekten war Jacques François Blondel. 
Schon bald nach Ausbruch der Revolution wurde 1791 die Zitadelle aufgegeben, 
bis 1802 abgetragen, die Gräben verfüllt und auf einem Teil ihres Terrains ein großer 
Platz, die Esplanade, angelegt. In den Befreiungskriegen wurde die Festung Metz ein¬ 
geschlossen und umgangen, ohne ernsthafte Versuche zu ihrer Eroberung zu unter¬ 
nehmen. In der Zeit der Restauration des bourbonischen Königtums wurde kaum 
etwas zur Unterhaltung der Befestigungsanlagen getan, manches geriet in Verfall, 
wurde aber zwischen 1830 und 1845 wiederhergestellt. 
Napoleon III. begann 1867 mit dem Bau von vier detachierten Forts links der 
Mosel: Fort Les Carrières uznd FortSf. Quentin auf einem 360 m hohen, das Mosel¬ 
tal beherrschenden Berg, auf der rechten Moselseite Fort Queuleu und Fort St. Julien. 
Die im Tal gelegenen Forts St. Eloi und St. Privat waren bei dem Ausbruch des 
deutsch-französischen Krieges noch im Bau, wie auch übrigens die vier Höhenforts 
noch nicht vollständig armiert waren. Die Belagerung der Festung Metz, in die sich 
General Bazaine nach den Schlachten von Vionville-Mars-la-Tour (16. August 1870) 
und Gravelotte-St. Privat (18. August 1870) zurückgezogen hatte, band die 1. und 2. 
deutsche Armee unter dem vereinigten Oberkommando des Prinzen Friedrich Karl. Sie 
endete am 27. Oktober 1870 mit der Kapitulation Bazaines, seine 4000 Offiziere 
und 173.000 Mann starke Besatzung (darunter 20 000 Verwundete und Kranke) ging 
in Gefangenschaft. Sie war nicht die Folge großer deutsche Geländegewinne, sondern 
war durch die unmöglich gewordene Versorgung der hier eingeschlossenen Menschen 
diktiert worden. 
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