Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Busso von der Dollen 
Residenzstadt und Entfestigung an Beispielen aus dem 
Rheinland 
Mit einer Planbeilage. * 
A. Einleitung 
Die frühe Neuzeit kennt neue, funktional bestimmte Städtetypen, unter denen als 
die wichtigsten die Haupt- und Residenzstädte1 zu nennen sind — gefolgt von den 
Festungsstädten. Beide Funktionen werden oft genug miteinander verbunden. Aber es 
ist eine Verbindung, die von vornherein auf Trennung oder besser: auf Aussonderung 
der militärischen Funktionen angelegt ist. Die Residenzstadt ist die dynamische städti¬ 
sche Siedlung, die im Gegensatz zu den meist stagnierenden Bürgerstädten aus dem 
Mittelalter auf Erweiterung drängt. Oder es ist der Wille des Fürsten, sich von den 
Fesseln zu lösen, um mit einer Weitung seiner Schloß- und Parkanlagen in die schein¬ 
bare Unendlichkeit dem neuen Lebensgefühl der Barockzeit zu huldigen. Beides geht 
Hand in Hand. So ist die prinzipielle Unvereinbarkeit beider Funktionen .vorgegeben. 
Auf der anderen Seite stoßen wir im 18. Jh. noch immer auf ein Bedürfnis nach 
Sicherheit, die noch nicht in der uns heute selbstverständlichen Weise vom institutio¬ 
nalisierten Flächenstaat für Stadt und Land zugleich garantiert werden kann. Zwi¬ 
schen beiden Polen besteht ein Spannungsverhältnis, das unterschiedliche Lösungen 
zuläßt. Hierbei spielen politische Entscheidungen eine ebenso große Rolle wie stadt- 
und landschaftsplanerische Absichten. Beides gilt es zu untersuchen. Im Mittelpunkt 
stehen die zu Festungen ausgebauten Haupt- und Residenzstädte am Rhein, wobei der 
Strom als geographisches Synonym für den Westen des Reiches gebraucht sei. Zeitlich 
beschränken wir uns auf das 18. Jahrhundert, mit dessen Ende auch das Ende der vier 
rheinischen Kurstaaten zusammenfällt. 
B. Vorbedingungen und planerische Ziele von Entfestigungen 
I. Entfestigungen im 18. Jahrhundert 
Setzen wir mit Peter Grobe2 eine Frühphase der Entfestigung für die erste Hälfte des 
18. Jahrhunderts an, so sind — sieht man von den zwei Jahren der Verbindung von 
Residenz und Festung in Rastatt ab — nur zwei entfestigte Haupt- und Residenz¬ 
städte in Deutschland zu verzeichnen: Bonn und Berlin. Die Motive sind unterschied¬ 
lich. Der König von Preußen und Kurfürst von Brandenburg verzichtet seit 1734 auf 
* Bonn. Entfestigung und Landschaftsplanung 1715—1794. Koblenz — Entfestigung und 
Stadterweiterung 1777—1794. Maßstab 1 : 10 000 am Ende des Bandes. 
1 Vgl. Busso von der Dollen, Der haupt- und residenzstädtische Verflechtungsraum 
Koblenz/Ehrenbreitstein in der frühen Neuzeit (Schriften zur rheinischen Geschichte, H3), 
Köln 1979, S. 10 ff., dort weitere Literatur. 
2 Peter Grobe, Die Entfestigung Münchens (Kurzfassung) (Miscellanea Bavarica Monacensia 
— Dissertationen zur Bayerischen Landes- und Münchner Stadtgeschichte, H. 27), München 
1970, Abb. 2 und S. 99. 
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