Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Bachregulierung usw. kann man nicht isoliert sehen; es sind typische infrastrukturelle 
Verbesserungen, vor allem für eine Residenz- und Hauptstadt, in der der Fürst natür¬ 
lich ordentliche Straßen und gute Wasserleitungen haben will, die auch für eine 
Festungsstadt nützlich sind. Die Bündelung der Funktionen von Residenz-, Haupt- 
und Festungsstadt wirkt hier also bei der Verbesserung der Infrastruktur zusammen. 
Das gilt auch für andere, ähnlich gelagerte Fälle. 
Jean Pierre Koltz, Luxemburg: Die Anlage der Barockbefestigung in Würzburg 
scheint den Plänen nach eine Stadterweiterung gewesen zu sein. Damit sind sicher 
auch Grundstücke freigeworden, wie das u. a. in Lille der Fall gewesen ist, wo 
Vauban gebaut hat; ich nehme an, daß ein Teil der Unkosten wahrscheinlich durch 
Grundstücksverkäufe hereingekommen ist. 
Wolfgang Petter, Freiburg: Ich möchte auch die Frage nach der Finanzierung der 
großen Festungsbauten stellen. Das Bemerkenswerte an Würzburg ist ja nicht die 
Festungsanlage, sondern die Residenz. Zum gleichen Zeitraum sind auf das Fürstbis¬ 
tum Würzburg ungeheure Kosten zugekommen. Nun war es die übliche Methode 
eines mittleren armierten Reichsstandes im 17./18. Jahrhundert, zum einen den Kern 
des Landes durch Befestigungen zu schützen, gleichzeitig eine relativ überdimensio¬ 
nierte Armee aufzustellen und auf Kriege zu warten, in denen diese Armee an Krieg- 
führende vermietet werden konnte. Dieses Verfahren ist besonders bekannt geworden 
durch das Verhalten deutscher Landesfürsten während des amerikanischen Unab¬ 
hängigkeitskrieges, als es allmählich schon aus der Mode kam und deshalb allgemein 
angegriffen wurde. Bekannt ist für Würzburg der Einsatz des Regiments Rot-Würz¬ 
burg in der Schlacht bei Leuthen in kaiserlichem Sold. Herr Sicken hat deutlich ge¬ 
macht, daß die Befestigungsanlage Würzburgs eine sehr unvollkommene gewesen ist. 
Es wären eindeutig Außenposten nötig gewesen. Meine Frage: Hat es nicht einfach zu 
wenig Kriege gegeben, in denen Würzburg sein Geld verdienen konnte, um damit 
seine Landesverteidigung aufbauen zu können? 
Franz Irsigler, Trier: Kann man die Löhne der Festungsarbeiter und der Soldaten 
vergleichen mit den Löhnen oder Einkommen anderer Gruppen in der Stadt? Zweite 
Frage: Hat man für die Auflassung der Gärten vor der Stadt, die für die Versorgung 
im Mittelalter außerordentlich wichtig gewesen sind, Ersatz geschaffen in der weiteren 
Umgebung, oder wie hat man die Versorgung der Bevölkerung mit dem notwendigen 
Gemüse und anderen Gartenpflanzen in dieser Zeit gesichert? 
Bernhard Sicken: Meine Damen und Herren, ich will versuchen, auf die ergänzen¬ 
den Diskussionsbeiträge und kritischen Anmerkungen mit einigen knappen Nachträ¬ 
gen zu antworten, möchte aber nicht versäumen, Ihnen zunächst für die Anregungen 
und Hinweise zu danken. 
1) Die Frage, ob und inwieweit neben den Frondiensten und den Territorialsteuern 
auch etwa Reichssteuern zur Finanzierung der Befestigungsarbeiten verwendet wur¬ 
den, läßt sich klar beantworten: auf Reichssteuern wurde nicht zurückgegriffen, 
obwohl gelegentlich das Argument auftauchte, Würzburg fungiere als Reichsfestung. 
Denn einerseits haben Kaiser und Reichsstände für den Ausbau keinerlei Mittel bewil¬ 
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