Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

neuen Städte zu Mittelpunkten des regionalen Handels auszubauen. Das Privileg vom 
Dezember 1679 für Hüningen drückt diesen Zweck ganz deutlich aus66. Die Wirkung 
freilich blieb hinter den Erwartungen zurück. Gerade die Hüninger Märkte krankten 
zeitlebens67. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Zahl und Dauer der 
Märkte bei weitem zu hoch angesetzt war. Hüningen erhielt einen Donnerstag- 
Wochenmarkt68, Homburg und Bitsch jeweils zwei Wochenmärkte und zwei Jahr¬ 
märkte.69 Dabei wird den schon bestehenden Märkten nicht Rechnung getragen. 
Bitsch hatte schon Kaiser Friedrich III. im Jahre 1442 das Recht zur Abhaltung eines 
Wochenmarktes verliehen70, Homburg war 1551 von Kaiser Karl V. mit einem Diens¬ 
tag-Wochenmarkt und einem Jahrmarkt am Montag nach Oculi begabt worden. Ein 
Jahrmarkt an St. Hieronymustag (30. September) war noch älter71. Gräfin Eleonore 
Klara von Nassau-Saarbrücken nennt in der Aufzählung der herrschaftlichen Rechte, 
die sie im Mai 1683 der Metzer Reunionskammer vorlegte, diese alten Märkte und 
nimmt auf die neu vom französischen König verliehenen keinen Bezug. In einer 
Bekanntmachung von 1741 findet sich dann zwar die Zahl von vier Jahrmärkten, 
doch stimmen ihre Termine nicht mit den früheren Verleihungen überein72. Es scheint, 
daß inzwischen der Homburger Marktkalender geändert worden war. 
Nach Saarlouis werden die zwei Wochenmärkte und die vier Jahrmärkte, die früher 
in dem nahe gelegenen Wallerfangen gehalten worden, aber zum Erliegen gekommen 
waren, übertragen, dazu zwei weitere Jahrmärkte neu errichtet, sodaß ein umfangrei¬ 
cher Marktkalender entstand von siebenundzwanzig Markttagen pro Jahr ohne die 
dienstags und donnerstags gehaltenen Wochenmärkte73. 
Nach Longwy werden übertragen die Wochenmärkte der alten Oberstadt Longwy 
und die Jahrmärkte aus den benachbarten Dörfern in einem Umkreis bis zu 13 km 
Luftlinie, nämlich aus Filliere, Rehon, Hautcourt und Pierrepont74. Neubreisach 
erhält zwei Wochenmärkte und sechs Jahrmärkte, die Festlegung der Termine wird 
dem Intendanten des Elsaß überlassen, doch müssen zwei Jahrmärkte je acht Tage, 
zwei je vier Tage und zwei je zwei Tage dauern. Somit kommen wir auch hier, ohne 
die Wochenmärkte, auf 26 Tage pro Jahr.75 Fort-Louis erhielt erst Marktrechte, 
66 ... que la dite ville abonde de toutes sortes de vivres, tant pour la subsistance et commodité 
des habitans d’icelle que de la garnison de la dite place, nous avons résolu pour cette fin 
d’établir dans la ditte ville et forteresse un marché franc pour y être tenu les jeudis de chaque 
semaine à perpétuité (De Boug, Ordonnance I, S. 78). 
67 Huber, a.a.O. (wie Anm. 8) S. 102 f. 
68 Vgl. Anm. 66. 
69 Homburg: Wochenmarkt montags und donnerstags, Jahrmärkte am 25. 2., 20. 5., 30. 7. und 
24. 10.; Bitsch: Wochenmarkt mittwochs und samstags, Jahrmärkte 15. 1., 8. 4., 25. 6. und 
30. 9. 
70 Am 18. 6. 1442 hatte Friedrich IV. den Wochenmarkt für mittwochs verliehen (Vgl. Druck 
der Urkunde in Jb. d. Gesellsch. f. lothr. Gesch. 4,1 (1892) S. 45 f., ferner Joseph Chmel, 
Regesta chronologico-diplomatica Frederici IV Romanorum Régis, Wien 1838, Nachdruck 
Hildesheim 1962 Nr. 614). 
71 Hans- Walter Herrmann, Ein Versuch zur Stadtwerdung. Ursachen und Wirkung der Privi¬ 
legierung Homburgs durch Kaiser Ludwig 1330, in: Homburg 650 Jahre Stadt 1330—1980, 
Homburg 1980, S. 28 f. 
72 Gedruckt bei Jakob Konz, Urkundengeschichte über die Privilegien der Stadt Homburg, in: 
ebenda S. 130 ff. 
73 Beilage I, 6. 
74 Beilage II, 11. 
75 Beilage III, 6. 
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