Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

werden, wage ich nicht zu behaupten“12. Regierungspräsident von Pommer-Esche 
schloß sich diesen Bedenken gegen den „Skandal, den dieser Prozeß hervorrufen 
wird“, voll an13. 
Die Saarbrücker Bergwerksdirektion trat ebenfalls den Rückzug an. Noch bevor der 
Prozeß am 24. Oktober 1892 begann14, einigte sie sich mit Dasbach und Keil auf eine 
Ehrenerklärung, in der die beiden Beschuldigten betonten, „daß der Zweck der Bro¬ 
schüre besser und weniger mißverständlich auf dem geordneten Beschwerdeweg hätte 
erreicht werden können“ 15. Inhaltlich wurde der „Sang von Lao Fumtse“ also nicht zu¬ 
rückgenommen, Doch dies genügte der Bergwerksdirektion bereits, um den Strafan¬ 
trag fallenzulassen. Am 22. Dezember 1892 wurden Dasbach und Keil außer Verfol¬ 
gung gesetzt16. 
Auch Johann August Körfgen, dem Redakteur der „Trierischen Landeszeitung“ und 
der „St. Johanner Volkszeitung“, wurde im Februar 1890 vor der Trierer Strafkammer 
ein Prozeß wegen Beleidigung der Bergbeamten angehängt. Gleichlautende Artikel in 
beiden Blättern unter dem Titel „Was hat die Bewegung unter den Bergarbeitern im 
Saarrevier verursacht?“1' gaben dazu den Anlaß. Dasbach ließ über 20 Bergleute, dar¬ 
unter Warken, als Entlastungszeugen auftreten. Wiederum dokumentierten die Aussa¬ 
gen die vor 1889 herrschende Korruption. Die Trierer Strafkammer erkannte die er¬ 
drückende Beweislast an, dennoch verurteilte sie Körfgen zu einer — allerdings ver¬ 
gleichsweise milden — Strafe von 30 M. bzw. 6 Tagen Haft. Im wesentlichen wurde 
dies damit begründet, daß der Vorwurf der Wahlbeeinflussung beweislos geblieben 
sei18. Dasbach konterte sofort: Im „Paulinus“-Verlag gab er die kommentierte Urteils¬ 
begründung als Broschüre heraus; dort heißt es, daß im Strafantrag der Bergwerksdi¬ 
rektion die Passage des Zeitungsartikels, die auf den Vorwurf der Wahlbeeinflussung 
schließen ließ, nicht angeführt worden sei und deshalb keine Entlastungszeugen gela¬ 
den waren. „Um die Wahrheit dieser Behauptung vor Gericht durch Zeugen zu bewei¬ 
sen“, wiederholte Dasbach im Anschluß daran die Beschuldigung19. Eine Anklage er¬ 
folgte nicht. 
Selbst im eigenen Lager stieß Dasbachs Konfrontationskurs von Anfang an auf Wider¬ 
spruch: Am 8. Oktober 1889 veröffentlichten „mehrere Katholiken“ in der „Saar¬ 
brücker Zeitung“ einen „Offenen Brief an den hoch würdigsten Bischof von Trier“ und 
forderten ihn auf, „der unheilvollen Preßethätigkeit des Kaplans Dasbach ein Ziel set¬ 
zen zu wollen“20. Doch Komm reagierte zunächst nicht, da ihn Dasbach anscheinend 
von der Berechtigung seiner Arbeit überzeugen konnte21. 
12 SA Mallmann/Trier an RP vom 9. 8. 1890, LHAK 442/6430, 117- 119, Zitat S. 119. 
13 RP Pommer-Esche/Trier an OP vom 11. 8. 1890, ebd,, 121. 
14 SMZ vom 14. 10. 1892 (Nr. 239). Dasbach hatte von seiner mittlerweile erworbenen Abgeord¬ 
netenimmunität Gebrauch gemacht, deshalb die Prozeßverzögerung, vgl. SA Mallmann/Trier 
an RP vom 9. 2. 1891, LHAK 442/6430, 151, 
15 SMZ vom 26. 10. 1892 (Nr. 249). 
16 SA Mallmann/Trier an RP vom 22. 12. 1892, LHAK 442/6430, 211. 
17 TLZ vom 1. 6. 1889 (Nr. 149). SjVZ vom 4. 6, 1889 (Nr. 127). 
18 Urteil der Trierer Strafkammer vom 10. Februar 1890, LHAK 442/6430, 73 — 80. SJVZ vom 
15. 4. 1890 (Nr. 87). 
19 Dasbach: Zur Arbeitseinstellung der Bergleute im Saar-Revier, S. 17. 
20 SZ vom 8. 10. 1889 (Nr. 235). TLZ vom 9. 10. 1889 (Nr. 276). EW vom 20. 10. 1889 (Nr. 42). 
Vgl. Fohrmann, S. 206 f. 
21 Marginalie RP Pommer-Esche/Trier auf dem an ihn adressierten Brief von SA Hepner/SB vom 
25. 10. 1889, LHAK 442/6390. 
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