Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

Am 20. Februar 1890 erhielt Stumm mit 13 837 Stimmen bereits im ersten Wahlgang ei¬ 
ne knappe absolute Mehrheit. Auf Dasbach fielen 9 768 Stimmen, auf Bachmann nur 
2 59144. Letzterer hatte lediglich in der Bürgermeisterei Uchtelfangen mit 1 084 Wäh¬ 
lern die Nase vorn, ansonsten fielen ,,selbst in den rein katholischen Dörfern, in denen 
sehr viele Anhänger des Rechtsschutzvereins wohnen, trotz allen ursprünglichen Wider¬ 
spruchs, die meisten Stimmen auf Dasbach“4^. Gegen diesen Wahlentscheid richtete 
Dasbach eine umfangreiche Protestnote an die Wahlprüfungskommission und warf 
Stumm und der Bergwerksdirektion Wahlmanipulationen vor46. Die ,,Saar- und Blies- 
Zeitung“ versuchte diese Vorwürfe mit dem bezeichnenden Satz zu kontern: ,,Uebn- 
gens wäre es der Haibergerhütte gar nicht zu verübeln gewesen, wenn sie Mittel und 
Wege gefunden hätte, ihre katholischen Arbeiter vor den Einschüchterungsversuchen 
des Herrn Dasbach zu schützen“47. Der Reichstag beschloß zwar am 24. April 1891, 
die Entscheidung über die Gültigkeit des Stumm’schen Mandats auszusetzen, zu einer 
Aberkennung kam es jedoch nicht48. 
Während das Kartell im Wahlkreis Ottweiler — St. Wendel — Meisenheim kaum Ver¬ 
luste erlitt, mußte es im Wahlkreis Saarbrücken über 2 500 Stimmen abgeben. Den¬ 
noch behielt Pfaehler mit 10 214 Stimmen die absolute Mehrheit, für Warken entschie¬ 
den sich 6 823 Wähler, für Schaede 3 12249. In den Bürgermeistereien Dudweiler, 
Gersweiler, Heusweiler, Quierschied, Püttlingen, Riegelsberg und Sulzbach errang 
Warken zwar die absolute Mehrheit, doch im Warndt, im Bliesgau und in den drei 
Saarstädten konnte er sich nicht durchsetzen. In Brebach, Fechingen und Bischmis¬ 
heim, den Arbeiterwohnorten der Haiberger Hütte, bekam er keine einzige Stimme, 
selbst in Friedrichsthal — Bildstock lag Pfaehler eindeutig vorn. 
Im Wahlkreis Saarburg — Merzig — Saarlouis siegte das Zentrum erneut eindeutig. 
Bachmann erhielt hier 1 395 Stimmen, immerhin 121 mehr als der Kartellkandidat Ben¬ 
nigsen50. In Dillingen fanden sich zwar 19 Stimmzettel für Bebel in der Urne, anson¬ 
sten aber trat die Sozialdemokratie in keinem der Saarkreise an die Öffentlichkeit. Sie 
stellte weder eigene Kandidaten auf, noch äußerte sie sich zum Wahlkampf der ,,Arbei¬ 
terpartei“ — für die Landräte ein weiteres Indiz für die sozialdemokratische Gesinnung 
der RSV-Spitze51. 
Lediglich in der bayrischen Saarpfalz griff die SPD direkt in den Wahlkampf ein: Am 
24. September 1889 hatte sich in Pirmasens ein ,, Wahlverein zur Erzielung volksthüm- 
licher Wahlen für den Reichstag, Landtag und Gemeinde für den Wahlbezirk Pirma¬ 
sens, Zweibrücken, St. Ingbert“ gebildet, also eine legale Organisation der noch illega¬ 
44 Statistische Übersichten über Wahlkreis- und Landkreisergebnisse, LHAK 442/6314, 62 f., 
69. SBZ vom 21. 2. 1890 (Nr. 44). TLZ vom 25. 2. 1890 (Nr. 54). 
45 LR Tenge/OTW an RP vom 17. 3. 1890, LHAK 442/6648, 61 -74. Zitat S. 73. Vgl. LR Ha- 
gen/WND an RP vom 27. 3. 1890, ebd., 75 —78. 
46 Redaktionssekretär Braun/Trier an die Wahlprüfungskommission des Reichstags vom 10. 5. 
1890, Auszüge LHAK 442/6314, 153 — 160. SJVZ vom 15. 4. 1890 (Nr. 87). SMZ vom 8. 5. 
1890 (Nr. 105). Vgl. Fohrmann, S. 225 und 418, Fn 366. Thoma, S. 299. 
47 SBZ vom 20. 2. 1890 (Nr. 43). 
48 Braunbehrens/IM an RP/Trier vom 9. 5. 1891, LHAK 442/6314, 130 — 132. 
49 Statistische Übersichten über Wahlkreis- und Landkreisergebnisse, ebd., 62 f., 68. Nachwei¬ 
sung des Wahlresultats im Wahlkreis 5 (Saarbrücken), ebd., 87 — 95, und SZ vom 21. 2. 1890 
(Nr. 44) sowie Saarbrücker Kreisblatt vom 26. 2. 1890 (Nr. 7). 
50 Statistische Übersichten über Wahlkreis- und Landkreisergebnisse, LHAK 442/6314, 62 f., 
67. Vgl. LR/MZG an RP vom 21. 3. 1890, LHAK 442/6648, 7-9. LR Helfferich/SLS an RP 
vom 26. 3. 1890, ebd., 59. 
51 LR zur Nedden/SB an RP vom 13. 3. 1890, LHAK 442/6648, 27 f. 
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