Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

tober 1891 meldete er die Auflösung des Vereins, da keine Beiträge mehr bezahlt wür¬ 
den60. 
Die Privatindustriellen des Reviers, an der Spitze die Hüttenbesitzer, hielten auch in den 
nächsten Jahren an ihrem Repressionskurs gegen die Arbeiterbewegung fest. Eine ge¬ 
meinsame Vorstandssitzung der beiden wirtschaftlichen Vereine beschloß am 20. Sep¬ 
tember 1890 einstimmig, „den Vereinsmitgliedern die in der Generalversammlung 
vom 21. Oktober 1884 gefaßten Beschlüsse zur Abwehr sozialdemokratischer Agitato¬ 
ren in Erinnerung zu bringen und die Erwartung auszusprechen, daß mit Rücksicht auf 
den bevorstehenden Ablauf des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen 
der Sozialdemokratie, auf eine strikte Innehaltung dieser Beschlüsse gehalten werde“61. 
Dabei wurden die politische und die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung über einen 
Kamm geschoren, ln seinem Grundsatzartikel „Der sozialdemokratische Feldzugsplan 
im Saarreviere“ warnte das „Saarbrücker Gewerbeblatt“ im Sommer 1891: ,,Der 
Bergarbeiterverband ist nichts anderes als ein sozialdemokratischer Verein und unsere 
Industriearbeiter mögen sich immer vergegenwärtigen, daß auf den Werken unseres In¬ 
dustriereviers kein Raum für Mitglieder solcher Vereine ist“62. 
In den folgenden Jahren blieb es ruhig in den Gewerbebetrieben an der Saar. Die nie¬ 
dergehende Konjunktur und der am Arbeiter-RSV exemplarisch vorexerzierte Repres¬ 
sionskurs wirkten hier zusammen. Nur noch in Ausnahmefällen kam es zu Arbeits¬ 
kämpfen: Im Januar 1891 drohten Arbeiter der Tonwarenfabrik Gaith in Jägersfreude 
mit Streik63. Am 9. März 1891 legten die zehn Beschäftigten der Fraulauterner Wagen¬ 
schmierfabrik Mequin die Arbeit nieder; alle zehn wurden sofort entlassen64. Wegen 
eines Lohnabzuges streikte ein Teil der Röchling’schen Puddler und Walzer am 23. 
März 189265, und im August desselben Jahres stellten italienische Maurer auf einigen 
Saarbrücker Militärbaustellen die Arbeit ein66. 
7.5 Die gewerkschaftlichen Fachvereine in den Saarstädten 
Sieht man vom Arbeiter-RSV ab, dann kam es lediglich noch in einigen mittelständisch 
geprägten Handwerksbranchen zu gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen. Durch¬ 
gängig handelte es sich dabei um örtliche Zahlstellen von Berufsverbänden der Freien 
bzw. Hirsch-Duncker’schen Gewerkschaften. In fast allen Fällen hatten sie ihren Sitz 
in den beiden Saarstädten Saarbrücken oder St. Johann. Die Mitglieder rekrutierten 
sich aus mobilen Handwerksgesellen, den klassischen Trägern der gewerkschaftlichen 
und politischen Arbeiterbewegung. 
im Frühjahr 1890 strebten einige Friedrichsthaler Flaschenglasmacher einen Beitritt zum 
„Fachverein der Glasarbeiter“ (Sitz Leipzig) an. Doch nachdem sie bei einer illegalen 
Versammlung am 26. Mai 1890 ertappt worden waren, nahmen sie Abstand von diesem 
60 LR Bake/SB an RP vom 27. 10. 1891, LHAK 442/4274. Gabel, S. 90, schreibt fälschlicher¬ 
weise, daß vom Arbeiter-RSV nach dem gescheiterten Versuch, in Burbach Fuß zu fassen, 
„jede Kunde fehlt. Er scheint das Jahr 1890 nicht überdauert zu haben“. 
61 SGB vom 28. 9. 1890 (Nr. 39). 
62 SGB vom 9. 8. 1891 (Nr. 32); ähnlich der Leitartikel „Der Sozialdemokrat Schröder im Saar¬ 
gebiet“ im SGB vom 1. 11. 1891 (Nr. 44). 
63 PK Wetzel an BM Petermann/Dudweiler vom 19. 1. 1891, KrASB S/6. 
64 Nachweisung LHAK 442/4269. 
65 BM Stürmer/VK an LR vom 23. 3. 1892, KrASB S/7, 
66 Bgmfr. vom 2. 9. 1892 (Nr. 55). 
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