Full text: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904)

germeisterei Sulzbach mit 970, Heusweiler mit 815, Riegelsberg mit 719 und Püttlingen 
mit 627 Mitgliedern wiesen überdurchschnittliche Werte auf. Friedrichsthal-Bildstock 
jedoch — obwohl Sitz des Vereins und Herkunftsort fast aller anfänglichen Vorstands¬ 
mitglieder — hatte mit 394 Mitgliedern einen vergleichsweise geringen Organisations¬ 
grad. Daß in Saarbrücken und St. Johann nur 12 bzw. 27 Mitglieder des RSV wohnten, 
verwundert hingegen nicht; in allen Fällen handelte es sich hier um Hafenarbeiter der 
Saargruben15. Eine nahezu gleich große Zahl von RSV-Mitgliedern besaß der Kreis 
Ottweiler mit 6605 eingeschriebenen Bergleuten. Schwerpunkt war hier die Bürger¬ 
meisterei Neunkirchen; Ende März 1891 waren allein die Zahlstellen in Elversberg 532, 
in Spiesen 385 und in Neunkirchen selber 715 Mann stark16. Die stärker agrarisch 
strukturierten Landkreise des Saarreviers fielen mitgliedermäßig natürlich ab: Ende 
Oktober 1890 wies der Kreis Saarlouis 3 314 organisierte Bergleute auf, der Kreis St. 
Wendel 1 306 und der Kreis Merzig 945. Dennoch ist auch hier die Verbreitung des 
RSV bis ins kleinste Dorf festzustellen. Im Kreis Saarlouis beispielsweise existierten im 
April 1891 Vertrauensmannsbezirke in Fraulautern-Roden, Hülzweiler, Lebach, Bet¬ 
tingen, Außen, Gresaubach, Limbach, Hüttersdorf, Lisdorf, Ensdorf, Schwalbach, 
Bous, Derlen, Saarwellingen, Labach, Schwarzenholz, Nalbach, Diefflen, Piesbach, 
Körprich, Hostenbach, Schaffhausen und Differten17. Und selbst der Vertrauens¬ 
mannssprengel der Bürgermeisterei St. Wendel verzeichnete Mitglieder in Ober- und 
Niederlinxweiler, Alsfassen, Breiten, Leitersweiler, Werschweiler, Mainzweiler, Rem¬ 
mesweiler und St. Wendel selbst18. Zudem bildete sich bereits in einer St. Ingberter 
Versammlung am 30. Juni 1889 ein saarpfälzischer Zweigverein19 mit Ortsgruppen in 
Erfweiler, Rohrbach, Mittelbexbach, Kirkel, Neuhäusel, Erbach, Reiskirchen, Brük- 
ken und Kindsbach20. Peter Hemmerling fungierte als Vertrauensmann all dieser RSV- 
Sektionen21. 
Am 1. Januar 1891 umfaßte der RSV 18947 Mitglieder22, Warken selber sprach bei der 
Grundsteinlegung des Rechtsschutzsaales von 121 Vertrauensmännern und 24270 ein¬ 
geschriebenen Bergleuten23. Am 1. August 1891 betrug die Mitgliederzahl laut Bürger¬ 
15 Verzeichnis der Saarbrücker RSV-Mitglieder vom 31. 3. 1890, SASB, Best. BMA SB, Nr. 
1417. 
16 Verzeichnis der Filialen des RSV in der Bürgermeisterei Neunkirchen vom 28. 3. 1891, 
SANK, 15 F III. 
17 Verzeichnis der im Kreis Saarlouis bestehenden politischen Vereine vom 14. 4. 1891, LHAK 
442/6221, 143-150. 
18 Mitgliederverzeichnisse durch Vertrauensmann Jakob Urhahn vom 6. 10. 1889, SAWND 
Abt. C 2/56, und vom 1.1. 1890, SAWND Abt. C 2/57. 
19 Pfälzer Volksbote vom 1. 7. 1889 (Nr. 160). SJVZ vom 4. 7. 1889 (Nr. 153). SJZ vom 4. 7. 
1889 (Nr. 153). Bezirksamtmann Schlagintweit/ZW an LR/SB vom 5. 7. 1889, KrASB S/2. In 
einem Bericht an RP von Braun/Speyer vom 7. 7. 1889, LASP H 3/1867 erblickte Schlagint- 
weit darin bereits die Anzeichen eines politischen Erdrutsches: „Die Annahme, daß Bürger¬ 
meister Heinrich bei seinen demokratischen Gesinnungen und seinen schlechten Aussichten für 
die Wiederwahl als Bürgermeister sich des Ortsvereins als Wahlmittel für persönliche Zwecke 
bedienen möchte, liegt nahe. “ 
20 BM Forster/Friedricnsthal an SA Hepner/SB vom 27. 10. 1889, KrASB S/4a. 
21 Bezirksamtmann Schlagintweit/ZW an RP/Speyer vom 12. 12. 1889, LASP H 3/1867. 
22 Aktennotiz BM Förster/Friedrichsthal, SAFR, Best. RSV, 479. Identisch damit Kiefer: Or¬ 
ganisationsbestrebungen, S. 69. 
23 Stenographische Mitschrift bei der Grundsteinlegung am 10. 5. 1891, SAFR, Best. RSV, 359. 
Auch Kiefer: Organisationsbestrebungen, S. 69, teilt diese Zahlen mit. 
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