Full text: Landesherr und Landesverwaltung

züglich vnserer Hoffgerichts Ordtnung, wie wir vns einer vff die hinder Graueschafft 
Sponheim vergleichen, bemühen soll, diese Ordnung neben andern vnsern Rhäten, 
so ehist müglich vif dieses Fürstenthumb dirigieren, vndt vnss zu vbersehen zustel¬ 
len, damit die den Parteyen zu gutem möge publicirt, vndt ins werck gesetzt werden. 
Doch erst am 15. Mai 1605 wurde eine eigene Hofgerichtsordnung für Pfalz- 
Zweibrücken erlassen. Ihr Vorbild ist die von Pfalzgraf Karl von Birkenfeld und 
Markgraf Philipp von Baden gemeinsam erlassene Hofgerichtsordnung der 
Hinteren Grafschaft Sponheim vom 4. Mai 1586205, deren Erstausgabe nicht 
mehr erhalten ist Diese Ordnung - sie wurde am 3. Februar 1722 von Herzog 
Gustav Samuel Leopold neu verlegt206 - ermöglicht erstmals einen genaueren 
Einblick in den Zuständigkeitsbereich und in die Verfahrensweise des Hofge¬ 
richts sowie in seine personelle Zusammensetzung. 
Die Verhandlungen vor dem Gericht fanden jährlich nur zweimal in bestimm¬ 
ten festgelegten Sitzungsperioden statt, und zwar während der Tage nach 
Judica (Frühjahr) und Bartholomaei (Spätsommer)207. Sie wurden zwar allwegen 
in unserer Stadt Zweybrücken / in der Cantzley / in der Rathstuben / abgehalten208, 
dürfen jedoch keinesfalls als ein Teil der fürstlichen Kanzleijurisdiktion ange¬ 
sehen werden. Die Kanzlei war nur Tagungsort und hatte die Schreibarbeiten 
205 Die Hofgerichtsordnung der Hinteren Grafschaft Sponheim - als Manuskript schon 
aus den Jahren 1578/1580 überliefert (LHA Koblenz Abt 33, Nr. 3749 und 3750), am 
4.5.1586 verkündet und 1587 in Frankfurt/M. gedruckt - folgt in der Gerichtsver¬ 
fassung derjenigen für Kurpfalz (vgl. dazu otte, Mainzer Hofgerichtsordnung, S. 92). 
In der Vorrede zur Hofgerichtsordnung der Hinteren Grafschaft Sponheim wird be¬ 
tont, daß in Sponheim zwar die Vorfahren jederzeit ziembliche Ordnung gegeben 
hätten, wie vnd welcher gestallt an dero gemeinen Hoffgericht in Rechtschwebenden 
Sachen procediert vnnd gehandelt werden solle. Weil diese Ordnung aber nicht aufge¬ 
schrieben und publiziert wurde, wären allerlei Unordnung und Vnrichtigkeiten erfolgt 
vnd fürgelauffen, dardurch die Partheyen an aussfürung schleuniges Rechtens vnnd erör- 
terung ihrer Sachen etwann nicht ohn Nachteil Schaden, beschwert und verhindert wor¬ 
den. (Zitate nach koch, Gerichtsordnungen, S. 322 f). Diese Sätze sind wörtlich auch 
in der Vorrede zu der Hofgerichtsordnung Herzog Johanns II. von Pfalz-Zweibrücken 
von 1605 zu finden. 
206 Hoffgerichts-Ordnung des Herzogthums Zweybrücken / welche von weyland dem Durch¬ 
lauchtigsten Fürsten und Herrn / Herrn Johansen / Pfalzgraffen bey Rhein /... in Druck 
gegeben / Nunmehro aber auf gnädigsten Befehl des Durchlauchtigsten Fürsten und 
Herrn / Herrn Gustav Samuel Leopolds, Pfalzgraffen bey Rhein / [...] als jetztmalig-regie- 
renden Landes-Fursten / wegen Ermanglung und gantzlichen Abgang derer Exemplarien 
von neuem wieder auffgelegt worden. Gedruckt zu Zweybrücken / durch Georg Nicolai / 
Hochfurstlficher] Buchdrfucker] im Jahr 1722 (künftig zitiert: HGO). Diese Ordnung 
folgt dem hintersponheimischen Muster mit einigen Auslassungen; beispielsweise 
wird auf geschworene Boten verzichtet (vgl. dazu otte, Mainzer Hofgerichtsordnung, 
S. 93). 
207 Diese Bestimmung fehlt noch in der Hofgerichtsordnung von Sponheim des Jahres 
1586; sie war aber in der Hofgerichtsordnung von 1605 wahrscheinlich bereits vor¬ 
handen (vgl. dazu koch, Zweibrücker Gerichtsordnungen, S. 324). 
208 HGO, Titul. II, S. 1. 
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