Full text: Landesherr und Landesverwaltung

aussehen186: Landsteuer und Ungeld wurden von der Landschaft bewilligt und 
wurden ihr neben weiteren Einkünften zur Schuldentilgung überlassen. Da die 
Landessteuer mit Reichssteuern, die möglicherweise gleichzeitig vom Reichstag 
beschlossen werden konnten, koordiniert werden mußten, führte dies dazu, daß 
die landschaftliche Kasse ebenfalls für die Reichs- und Kreissteuer Sorge trug. 
1588 hatte die landschaftliche Schuldenverwaltung fast die gesamte Schulden¬ 
last übernommen. Eine Erhöhung des landesherrlichen Kredits bedeutete die 
Bürgschaft von Städten und Ämtern für die landesherrlichen Schulden,- damit 
wurde die ältere Praxis der Verpfändung von Teilen des Territoriums 
hinfällig187. Johann I. mußte der Landschaft wesentliche Teile der Landesein¬ 
künfte und die Verfügung über verschiedene, meist indirekte Steuern als Ge¬ 
genleistung überlassen188. Die Stellung der Landschaft wurde einerseits durch 
ihren Einblick in die landesherrlichen Einkünfte erheblich verstärkt und ver¬ 
festigt, andererseits dadurch, daß sie zunehmend an die Stelle der traditionellen 
Geldgeber trat189. Allerdings war die Landschaft durch ihre enge Beziehung 
zum Hof - Gläubiger und Beamte des Herzogs waren ja identisch - verstärkt 
dem Druck des Landesherrn ausgesetzt190. Hatte sie deshalb bereits zu Beginn 
des 17. Jahrhunderts keine politisch bedeutsame Stellung einnehmen können, 
so schied sie seit der beträchtlichen Schwächung ihrer wirtschaftlichen Grund¬ 
lagen im Dreißigjährigen Krieg als ein Faktor von eigenem Gewicht überhaupt 
aus. Sie mußte die Zahlungen einstellen191, blieb aber weiterhin bestehen, um - 
wie 1652/53 die Verhandlungen des Pfalzgrafen Friedrich wegen eines Küchen¬ 
geldes zeigen - die Einkünfte für den fürstlichen Haushalt zu ermöglichen192. 
Den Versuch einer Wiederbelebung der Landschaft als Schuldenverwaltung 
hatte 1688 Pfalzgraf Christian II. von Birkenfeld eingeleitet, indem er für jedes 
Amt einen Landschaftsoberausschuß einsetzte und diesen durch den jeweiligen 
Schultheißen anerkennen ließ193. Erst der schwedische König, der 1681 das Erbe 
Pfalz-Zweibrücken angetreten hatte, hob 1711 die Landschaft auf194. Die Land¬ 
186 Vgl. zum folgenden press, Steuern, Kredit und Repräsentation, S. 66. 
187 Ebda., S. 67 f. 
188 Ebda, S. 71. 
189 Ebda, S. 72. 
190 Ebda, S. 72 f. 
191 Verwüstungen, Seuchen u. dgl, die der Krieg mit sich brachte, verursachten mehr 
oder weniger starke Ausfälle unter den Landeseinkünften, setzten auch die Steuer¬ 
kraft der Untertanen herab, so daß die Schatzungen nur knapp die Anforderungen 
der Kriegszeit erfüllten. Vgl. dazu press, Steuern, Kredit und Repräsentation, S. 73. 
192 LA Speyer B 2, Nr. 3686. Vgl. dazu auch press, Steuern, Kredit und Repräsentation, S. 
73, Anm. 57. 
193 BayHStA München K.bl. 390/8 (Vertrag mit dem Amt Meisenheim, 1688 III 11 (Orig. 
Perg.)). Vgl, dazu auch press, Steuern, Kredit und Repräsentation, S. 74, Anm. 60. 
194 GHA München KA 481/2 (Gravamina der Stadt Meisenheim von 1719). Vgl. dazu 
auch press, Steuern, Kredit und Repräsentation, S, 74, Anm, 60, 
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