Full text: Landesherr und Landesverwaltung

im Jahr 1755 noch vergrößert Es läßt sich für Pfalz-Zweibrücken am Ende des 
18. Jahrhunderts zwar eine größere territoriale Geschlossenheit als je zuvor 
feststellen67, aber es waren neben dem Kernterritorium immer noch zwölf 
größere Exklaven vorhanden. 
Während der Regierung Christians IV. (1740-1775)68, einem verständnisvollen 
Förderer der bildenden Künste, des Theaters und der Musik, wurde die Resi¬ 
denzstadt Zweibrücken in den folgenden Jahrzehnten „eine Stätte des französi¬ 
schen Kultureinflusses, ein wichtiger Umschlageplatz für die Ideen, Kunstfor¬ 
men und Moden des Westens, der in seiner Bedeutung wohl nicht überschätzt 
werden kann"69. Aber auch für die Versailler Politik ergaben sich unter 
Christian und seinem Nachfolger Karl II. (1775-1795)70 große Möglichkeiten: 
die pfalz-bayerische Erbschaft stand bevor71. Der bayerische Stamm des Hauses 
Wittelsbach war nur noch durch den kinderlosen Max III. Joseph (1727-1777) 
vertreten, die pfälzischen und rheinischen wittelsbachischen Gebiete, mit Aus¬ 
nahme von Pfalz-Zweibrücken, wurden seit 1743 von Kurfürst Karl Theodor72, 
der keine legitimen Erben hatte, regiert Es ließ sich voraussehen, daß der Her¬ 
zog von Pfalz-Zweibrücken in absehbarer Zeit die beiden Kurfürstentümer Pfalz 
und Bayern erben würde, denn nach dem Vertrag von Pavia (1329) sollte die 
pfälzische Linie die bayerische beerben, und nach dem Testament Herzog Wolf¬ 
gangs (1568) sollte Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld der Linie Pfalz-Sulzbach fol¬ 
gen. 
Der erste Erbfall trat mit dem Ableben Max III. Josephs von Kurbayern (30. 
Dezember 1777) ein. Kurfürst Karl Theodor erbte Bayern73, war aber nicht abge¬ 
neigt, dieses Land gegen die österreichischen Niederlande zu vertauschen74. 
Eine solche Machterweiterung der Habsburger, wie sie eine Einverleibung 
Bayerns bewirken mußte, konnte weder im Interesse Frankreichs noch Preu¬ 
ßens sein; zweimal, 1778/79 und 1784/85, wurde Karl II. August von Pfalz-Zwei¬ 
67 Siehe dazu die Karten zur territorialen Entwicklung von Pfalz-Zweibrücken im Zeit¬ 
raum von 1470 bis 1789 als Beilage zu dieser Arbeit. 
68 Siehe zu ihm heigel, in ADB 4, S. 173 f; baumann, in NDB 3, S. 229 f; v. Böhm, Chri¬ 
stian IV,; ders., Das Ende des 7jährigen Krieges; ders., Die letzten Lebensjahre und der 
Tod Christians IV.; BAUMANN, Pfalzzweibrücken; DERS., Herzog Christian IV. 
69 baumann, Umrisse einer Landesgeschichte, S. 51. 
70 Siehe zu ihm heigel, in ADB 15, S. 336-338; weis, in NDB 11, S. 258-260; v. Böhm, Karl 
August,- baumann, Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken; weber, Zur Charakteristik 
des Herzogs Karl II. August; mittelberger, Hofenfels, S. 8. 
71 Vgl. zum folgenden baumann, Umrisse einer Landesgeschichte, S. 51 f; herrmann, Das 
Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, S. 374 f. 
72 Siehe zu ihm heigel, in ADB 15, S. 250-258; fuchs, in NDB 11, S. 252-258; ders., Kur¬ 
fürst Karl Theodor von Pfalzbayern. 
73 Siehe dazu das Besitzergreifungspatent Karl Theodors vom 30. Dezember 1777. GHA 
München KA 844. 
74 Siehe zu Karl Theodors Plänen hammermayer, Bayern im Reich und zwischen den 
großen Mächten, S. 1045-1052. 
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