Full text: Landesherr und Landesverwaltung

Inzwischen waren Pläne zur Durchführung des bayerisch-niederländischen 
Tauschprojektes vorbereitet worden. Wien nahm zunächst durch den kurkölni¬ 
schen Hofrat und Agenten des Erzherzogs Maximilian, Meyer, der Creuzer ver¬ 
schiedentlich bei der Aufnahme von Geldern behilflich gewesen war, mit Pfalz- 
Zweibrücken geheime Beziehungen auf und bot finanzielle Hilfe sowie die 
Befürwortung der Ansprüche Karls II. gegenüber Karl Theodor an322. Außer¬ 
dem versuchte der österreichische Unterhändler den Herzog zu veranlassen, 
durch einen vertrauensvollen Brief an Joseph II. die diplomatischen Beziehun¬ 
gen zu Wien, welche 1778 abgebrochen worden waren, wieder aufzunehmen. 
Obwohl Hofenfels keinen Zugang zu den Geheimverhandlungen hatte, konnte 
er die österreichische Annäherung an Karl II. August vereiteln, zumal dank 
Meyers Indiskretion auch noch die Presse in einzelnen Ländern davon 
erfuhr323. 
Nun übernahm Katharina die Aufgabe, den Herzog von Pfalz-Zweibrücken für 
Josephs Unterfangen zu gewinnen, und schickte ihren Gesandten im Reich Graf 
Rumjancev nach Zweibrücken324. Der Russe erwarb sich bald das Vertrauen 
des Herzogs und beeinflußte ihn gegen Hofenfels sowie den Fürsten von Dessau 
und Karl August von Weimar, die Preußen auf die Befürchtung von Hofenfels 
nach Zweibrücken geschickt hatte, um einen Tausch zu verhindern325. Als am 
21. August 1784 Karl Augusts einziger Sohn starb, veranlaßte Rumjancev den 
Herzog, eine Traueranzeige an den Kaiser zu senden, was der geforderten 
Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen entsprach326. Unterstützt 
vom Prinzen von Waldeck, einem Jugendfreund Karl Augusts, unterbreitete 
nun Rumjancev dem Herzog folgendes Angebot327: Wenn er mit dem Kaiser ein 
Bündnis schließen würde, so wolle dieser ihm Subsidien gewähren, seine Geld¬ 
verhältnisse regeln und seinen Onkel, den Kurfürsten Karl Theodor, bewegen, 
ihm eine Summe von 100 000 Dukaten aus der bayerischen Erbschaft, die dieser 
beanspruchte, auszuzahlen. Hatte Rumjancev mit seinem Unterfangen Erfolg, so 
war Hofenfels' Bestreben, Bayern dem Hause Wittelsbach zu erhalten, geschei¬ 
tert. Das Angebot Josephs II. mußte nun überboten werden; deshalb wandte sich 
Hofenfels bereits am 21. August 1784 an Vergennes, der seiner politischen Ein¬ 
stellung nach ein prinzipieller Gegner des Tauschplans war, und bat ihn um 
Hilfe328. Da Frankreichs Gegenmaßnahmen möglichst wenig Aufsehen erregen 
322 Kaunitz ein Lehrbach, 11. Mai 1784, abgedruckt bei: hanfstaengl, Amerika und 
Europa, S. 184 f. Vgl. dazu mittelberger, Hofenfels, S. 109 f. 
323 Die Nachrichten erschienen im Hamburger politischen Journal, dann in den Erlanger 
und Bayreuther Zeitungen. Karl Theodor machte deswegen Lehrbach heftige Vor¬ 
würfe (Lehrbach an Kaunitz, 25. Juni 1784, abgedruckt bei: BRUNNER, Der Humor in 
der Diplomatie, Bd. I, S. 263 f). 
324 Siehe zum folgenden mittelberger, Hofenfels, S. 111. 
325 Vgl. dazu bergsträsser, Pfeffels politische Tätigkeit in französischem Dienste, S. 75 ff. 
326 Vgl. dazu mittelberger, Hofenfels, S. 114 f. 
327 Vgl. dazu bergsträsser, Pfeffels politische Tätigkeit in französischem Dienste, S. 76 f. 
328 Vgl. dazu ebda., S. 77. 
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