Full text: Landesherr und Landesverwaltung

Qualifikationen, daß dieser ein vorzüglicher Jäger gewesen sei237. Esebeck 
konnte seine Stellung noch dadurch festigen, daß seine Frau, Karoline von Gay- 
ling, Karl Augusts ehemalige Jugendliebe, dessen Mätresse und Oberhofmeiste¬ 
rin der Herzogin wurde238. Sie wurde gar bald die Mittlerin der Gnaden und 
Gunstbezeugungen, und infolgedessen drängte sich eine stattliche Schar ergebener 
Hofleute um sie, stellt Männlich fest239. Über ein Jahrzehnt besetzten Ange¬ 
hörige und Anhänger der Familie Esebeck alle wichtigen Stellungen. Selbst 
fähigen Leuten, die in den pfalz-zweibrückischen Dienst eintraten, blieb keine 
andere Möglichkeit, als sich um ihre Gunst zu bemühen240. 
Es war jedoch nicht nur die Uneinigkeit der Räte, die sich negativ bemerkbar 
machte, sondern auch der Herzog trug viel dazu bei, die Arbeit der Behörden, 
insbesondere des Kabinettskollegiums zu komplizieren. Es koste Mühe, so 
berichtet der französische Gesandte am Zweibrücker Hof in den ersten Tagen 
des Jahres 1776 an Vergennes, von Karl II. August die nötigen Unterschriften 
zu erhalten241. Da sich der Herzog nicht um seine Regierungsgeschäfte 
kümmerte242, traten die Beamten Ludwig von Esebeck, Johann Christian Simon 
- er wurde 1776 mit dem Prädikat „von Hofenfels'' geadelt - und Heinrich 
Wilhelm von Creuzer sehr stark in den Vordergrund. Die Arbeitskraft des be¬ 
fähigten Johann Christian von Hofenfels243 kam der pfalz-zweibrückischen 
Politik schon bald zustatten: Von 1777 bis 1787 bestimmte er den politischen 
Kurs Pfalz-Zweibrückens. Sein Vorgesetzter, der Minister Ludwig von Esebeck, 
beteiligte sich kaum an den laufenden Staatsgeschäften, und so geriet Hofenfels 
schon bald in Gefahr, von der Fülle der Arbeit erdrückt zu werden, zumal es 
nicht nur schwierige politische, sondern auch finanzielle Angelegenheiten zu 
regeln gab. Da Hofenfels häufig von Zweibrücken abwesend war, gelang es dem 
vom Kabinettssekretär zum Geheimen Rat avancierten Heinrich Wilhelm von 
237 Ebda. 
238 Vgl. dazu baumann, Karl August II. von Pfaiz-Zweibrücken, S. 54. 
239 v. männlich, Lebenserinnerungen, S. 321. 
240 Vgl. dazu baumann, Karl August II. von Pfalz-Zweibrücken, S. 54. 
241 Vgl. dazu ebda., S. 55. 
242 Freiherr vom Stein, der im Sommer 1785 in diplomaüscher Mission in Zweibrücken 
weilte, berichtete: Er [Karl II. August] bekümmerte sich garnicht um die Geschäfte, 
welche in großen Verfall geraten waren, und seine Minister von Esebeck und von Hofern 
fels mußten wohl mehrmals von Zweibrücken nach Karlsberg, zwei gute Posten, fahren, 
um eine nötige Unterschrift zu erhalten (zitiert nach baumann, Freiherr vom Stein und 
Zweibrücken, S. 43). 
243 Siehe zu ihm heigel, in ADB 12, S. 557-559; weis, in NDB 11, S. 377 f; ders., Hofenfels 
und Montgelas. Die wichtigste Arbeit zu Hofenfels ist nach wie vor die von mittel- 
BERGER, Hofenfels. 
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