Full text: Landesherr und Landesverwaltung

zu einem Kompromiß zu zwingen; die okkupierten Gebiete sollten für eine noch 
zu bestimmende Frist in französischem Besitz bleiben. Im Regensburger Still¬ 
stand (15. August 1684) einigte man sich - die französische Herrschaft wurde 
auf zwanzig Jahre begrenzt162. 
Als es nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zu Friedensverhand- 
lungen in Rijswijk kam, mußte Ludwig XIV., da das vereinigte Europa unter 
englischer Führung sich mit Erfolg gegen das militärische Übergewicht Frank¬ 
reichs zur Wehr gesetzt hatte, Zugeständnisse machen163; er sah sich ge¬ 
zwungen, einen beträchtlichen Teil seiner Eroberungen aufzugeben, insbeson¬ 
dere die Metzer Reunionen164. Jedoch wurden diejenigen Bestimmungen des 
Rijswijker Friedens, die das Elsaß betrafen, von den Franzosen nur zu einem 
geringen Teil erfüllt. Strittig blieb die Begrenzung des endgültig französischen 
Gebietes des Elsaß. Während man von seiten des Reichs die Lauterlinie als 
nördliche Grenze ansah, versuchte Frankreich seine Gebietsansprüche bis zur 
Queich auszudehnen165. Lediglich das pfalz-zweibrückische Oberamt Berg¬ 
zabern und das kurpfälzische Oberamt Germersheim - mit Ausnahme der 
Ämter Selz und Hagenbach - sind tatsächlich restituiert worden. Beide Ober¬ 
ämter bildeten jedoch künftig das Hauptobjekt französischer Souveränitäts¬ 
ansprüche im pfälzischen Raum166. Ansonsten wurde die französische Herr¬ 
schaft im Elsaß im wesentlichen in dem bis 1697 hergestellten Umfang aufrecht 
erhalten. Die französische Monarchie konnte jedoch auf eine allgemeine Be¬ 
gründung ihrer Herrschaft nicht verzichten; da sie aber vom Reich nicht zu 
erhalten war, suchte man sie durch gesonderte Zustimmung der betroffenen 
Reichsstände zu erreichen. Es resultierten daraus sehr komplizierte Verhält¬ 
nisse, dergestalt, daß die deutschen Fürsten in den lettres patentes die franzö¬ 
sische Oberhoheit über ihre Gebiete anerkennen mußten, aber zugleich die 
Garantie über einen bestimmten Teil ihrer früheren Rechte bekamen167. In Ein¬ 
zelabmachungen mit den betroffenen Fürsten kam die Souveränität des Königs 
162 Siehe dazu WYSOCKl, Kurmainz und die Reunionen, S. 123-138. 
163 Vgl. dazu MOUSNIHR, Les XVIe et XVIIe siècles, S. 287, sowie braubach, Versailles und 
Wien, S. 16 f, und erdmannsdöRFFER, Deutsche Geschichte von 1648-1740, Bd. 2, 
S. 76 ff. 
164 Text bei vast, Les grands traités, Bd. 2, S. 214 ff. 
165 Siehe dazu fallex, La question de la Queich. 
166 Siehe dazu (bachmann), Betrachtungen über die dermaligen Verhältnisse im Elsaß. 
Dieses Werk ist anonym erschienen. Ein Hinweis auf den Verfasser bachmann findet 
sich u.a. bei meusel, Das gelehrte Teutschland, Bd. I, S. 114. Einige Ergänzungen zu 
bachmann bringt die Schrift von rheinwald, Von den pfalz zweybruckisch-fr an- 
zosischen Souverainitatslanden. 
167 Die Fürsten unterwarfen sich sous la condition rigoureuse de conserver la jouissance de 
leurs anciens revenus et d'être maintenus dans l'exercice de leur supériorité territoriale 
dans tous les points qui seraient compatibles avec la souveraineté de S.M. (zitiert nach 
Ludwig, Die deutschen Reichsstände im Elsaß, S. 21). Die Unterwerfung kam, um 
mit LUDWIG (ebda., S. 31) zu sprechen, einer „Mediatisierung" dieser Fürsten gleich, 
deren Interessen der französische König durch seine Verwaltung, sein Gericht oder 
158
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.