Full text: Landesherr und Landesverwaltung

machen konnten, die unter der Direktion des Ministers wohl arbeiten, allein außer 
dieser zu ohnentschlossen. Der Fürst, dessen strengen Blicken nichts entging, sähe 
die Sache bald ein und vermüsiget, sich à la tête des affaires zu setzen122 
Nach der Entlassung Wredes 1752 gab es zwar keinen Vorsitzenden mit beson¬ 
derem Prädikat mehr123, doch trat nun Asmus von Esebeck, dessen Beamten¬ 
laufbahn 1737 als Kammerjunker und Regierungsrat begonnen hatte, besonders 
hervor. Er war ein tüchtiger Verwaltungsbeamter mit gründlichen Kenntnissen 
und großer Arbeitskraft124. Eine besondere Rolle spielte im Kabinettskollegium 
auch Philipp Christian Borngesser; seine Kenntnisse und Fähigkeiten erstreck¬ 
ten sich von Reichs- und Lehnsrecht bis zur Gesetzgebung und Ju¬ 
stizverwaltung125. Ende 1758 wurde mit Adam Heinrich Cranz ein in den ver¬ 
waltungstechnischen Angelegenheiten sachkundiger Beamter in das Kollegium 
aufgenommen126. Ein von Christian geschätztes Mitglied des Kollegiums 
war Karl Sturtz. Seit Beginn der 1750er Jahre hatte er die pfalz-zweibrücki- 
schen Interessen am Mannheimer Hof vertreten127. Über Sturtz unterhielt 
Christian Beziehungen zu dem kurpfälzischen Geheimsekretär Saint George. 
So war Christian stets gut über die Politik Karl Theodors informiert. Ende 1759 
wurde Sturtz zum Gesandten am Oberrheinischen Kreis ernannt128. Nachdem 
Sturtz 1767 gestorben war, wurde der Kammerrat Johann Wilhelm Wernher in 
das Kollegium aufgenommen129. Vom Rechnungsrevisor war er über die Stel¬ 
lung eines Kammerassessors und Kammerrats 1769 zum Regierungsrat aufge¬ 
stiegen. Er galt als besonderer Günstling des Herzogs, mit dem er in reger 
Korrespondenz stand130. Die überlieferten Briefe befassen sich in erster Linie 
mit Versuchen der Goldgewinnung, die er gemeinsam mit dem Leiter der her¬ 
zoglichen Porzellanmanufaktur, Geheimrat Joseph Stahl131, unternommen hatte. 
Ebenso wie Wernher hatte es auch Stahl verstanden, durch seine „alchimisti¬ 
sche Tätigkeit" die Gunst Christians zu gewinnen132. Im Frühjahr 1765 wurde 
er als Physikus angestellt und im Dezember 1767 zum Direktor über das Berg¬ 
wesen des Fürstentums ernannt133. 
122 Ebda. 
123 GHA München KA 466 1/2, fol. 21; BayHStA München K.bl. 405/41, fol. 17'. 
124 GHA München KA 466 1/2, fol. 21'. 
125 BayHStA München K.bl. 405/41, fol. 17’. 
126 LA Speyer B 2, Nr. 3283, fol. 298; BayHStA München K.bl. 405/41, fol. 19'. 
127 Vgl. dazu STRAuven, Die wittelsbachischen Familienverträge, S. 22, 28. 
128 LA Speyer B 2, Nr. 3283, fol. 320. 
129 Siehe dazu BayHStA München K.bl. 406/1. 
130 Siehe dazu wernher, Briefe des Pfalzgrafen Christian IV. an Johann Wilhelm 
Wernher. 
, 131 Siehe zu ihm heuser, Der Alchimist Stahl. 
132 Siehe dazu ebda., S. 9 ff. 
133 Siehe dazu ebda., S. 17. 
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