Full text: Landesherr und Landesverwaltung

III Resümee 
Ein kurzer zusammenfassender und zugleich abschließender Vergleich 
zwischen den Beamten und dem Pfarrstand in Pfalz-Zweibrücken soll die 
Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen 
heraussteilen. 
Gemeinsam für die Beamten wie für die Pfarrer ist die Tatsache, daß eine starke 
Selbstergänzung stattgefunden hat. Die soziale Geschlossenheit von Beamten¬ 
tum und Pfarrstand gegenüber Angehörigen anderer Gruppen ist verschieden 
stark gewesen. Es scheint, als ob die Beamten bezüglich sozialer Herkunft und 
Konnubium noch mehr auf Geschlossenheit Wert legten als die Pfarrer. Bei den 
Pfarrern hatte ein stärkerer Zulauf aus Handwerkerfamilien eingesetzt100. Auch 
sind Ehen zwischen Kindern von Handwerkern und Pfarrerskindern wohl häu¬ 
figer geschlossen worden als entsprechende Verbindungen zwischen Angehöri¬ 
gen von akademisch gebildeten Beamten und von Handwerkern. Später sind 
Pfarrerssöhne Handwerker (9 96) oder auch Kaufleute (4 96) geworden, ohne daß 
man darin eine Standesminderung gesehen hätte. 
Der Unterschied zwischen den einzelnen Schichten der Beamtenschaft scheint 
größer gewesen zu sein als derjenige zwischen den Pfarrern und den Inspekto¬ 
ren. Die Theologen, die höhere Stellen einnahmen, stiegen zumeist infolge ihrer 
wissenschaftlichen Qualifikationen aus der einfachen Pfarrerschaft auf101. 
Dagegen kamen Berufungen der mittleren Beamten an eine der zentralen Be¬ 
hörden seltener vor. 
Die oberen Beamten heirateten oft untereinander; ebenso blieben die mittleren 
oft im Kreise ihrer gleichrangigen Kollegen. Aber es sind auch Ehen zwischen 
Kinder von Beamten - dabei überwiegend denjenigen von mittleren Beamten - 
und von Pfarrern erfolgt; es scheint so, als ob diese miteinander verbundenen 
Gruppen sich nach oben von der Beamtenschaft der zentralen Behörden absetz¬ 
ten, nach unten von den Handwerkern, kleineren Kaufleuten und den niederen 
Beamten. 
100 Von 1650 bis 1800 sind 14 % der Väter von späteren Pfarrern Handwerker gewesen 
(siehe dazu die tabellarische Aufstellung im Anhang dieser Arbeit). 
101 Siehe für die Zeit von 1555 bis 1619 vogler, Les inspecteurs écclésiasüques prote¬ 
stants, S. 97 f. Für die Zeit nach 1650 seien folgende Beispiele genannt Johann Paul 
Bruch (biundo, Die evangelischen Geistlichen der Pfalz, Nr. 607), Johann Christian 
Balbier (ebda., Nr. 167), Johann Heinrich Bartz (ebda., Nr. 202). 
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