Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

nentor, dessen Bauweise heute noch oft an alten Höfen im Saarland daran zu er¬ 
kennen ist, daß man das Halbrund mittels Eisenträger und aufgemauerten Steinen 
aus modernen Baumaterialien geschlossen hat, gelangte man auf die Tenne. Hier 
stapelten die Bauern die Garben. In das oberste Stockwerk schließlich brachte man 
das Stroh. Eine stabile, mit Eisen in der Zwischenwand verankerte Leiter durchlief 
die drei Stockwerke. 
Die über den Ställen liegenden Räume bargen als Teile der Scheuer die Futtervor¬ 
räte; um Platz zu gewinnen, stampfte man das Heu fest und riß es vor der Fütterung 
der Tiere mit bereitliegenden Haken los, um es durch die Kuhläden, kleine vier¬ 
eckige Löcher in der Wand zwischen Stall und Scheuer, dem Vieh vorzuwerfen. 
Baumaterial und Zustand 
Während im östlichen Teil des Saarlandes „schlichte Fachwerkhäuser“84 vorherrsch¬ 
ten, setzte im Fürstentum nach dem Dreißigjährigen Krieg die steigende Verwen¬ 
dung von Stein zum Hausbau ein85. Dies gilt vornehmlich für solche Regionen, wo 
man den hierzu geeigneten Sandstein gleich am Ort oder in der Nähe brechen 
konnte. Das war in einigen Orten des Oberamtes Ottweiler der Fall, in Bous und 
im Raum Bischmisheim. Da man Bauholz noch Anfang des 18. Jahrhunderts preis¬ 
wert kaufen konnte, errichtete man Holzbauten oder setzte ein hölzernes Oberge¬ 
schoß auf ein steinernes Parterre. Kurz nach seinem Regierungsantritt befahl 
Fürst Wilhelm Heinrich jedoch, daß das Erdgeschoß nunmehr ausschließlich aus 
Stein errichtet werden sollte86. Inzwischen war nämlich durch das Aufblühen der 
Erz- und Glashütten ein akuter Holzmangel eingetreten87, so daß der Fürst überall 
dort, wo Holz als Baustoff nicht unbedingt nötig war, die Verwendung anderer 
Materialien vorschrieb88. Die Außenmauern der Häuser wurden mitunter aus roh 
behauenem Sandstein bis zu einem Meter Dicke gefügt89, die Innenwände nach wie 
vor aus Holz, Flechtwerk und Lehm erbaut90. Außen- und Innenwände übertünchte 
man oder bemalte sie. 
Bei dieser reichlichen Verwendung von Holz brachen trotz zahlreicher, in den 
Dorfordnungen befohlener Vorsichtsmaßnahmen immer wieder Brände aus, 
äscherten ganze Anwesen ein, verheerten gar Straßenzüge. Weil der Brandherd 
häufig im Bereich des hölzernen Rauchfangs, bzw. Schornsteins lag und reichlich 
84 M. Müller, Das Wirtschaftsleben unserer Altvorderen, in: Sonderband zur Landwirt¬ 
schaftlichen Ausstellung Wadern, Wadern 1930, S. 55. 
85 Saaratlas, a.a.O., Karte 14 und begl. Text. 
86 Diese Anordnung findet dann ihren Niederschlag in der Forstordnung 1745, Art. 42 
(J. M. Sittel, a.a.O., S. 267) und der Waldordnung 1757, Art. XLIII (LA SB, Best. 22 
Nr. 4610, S. 20 f.). 
87 Vgl. J. Collet, a.a.O., S. 29 zur Entwicklung des Holzverbrauchs und der -preise. 
88 Z. B. Abschaffung der Holzzäune, VO v. 18. 11. 1777 (LA SB, Best. 22 Nr. 4428, 
S. 259). 
89 F. Fritsch und K. Dittmann, Bous, Chronik des Ortes, Bous 1952, S. 97. 
90 J. Diehl, Niederlinxweiler, Berlin 1938, S. 111. 
77
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.