Neuntes Kapitel
DAS EINKOMMEN DER BAUERN
1. Methodische Vorüberlegungen
Die Berechnung des bäuerlichen Einkommens jener Zeit kann nach den Grundsätzen
der heutigen Betriebswirtschaftslehre nicht durchgeführt werden, denn einerseits
ist das notwendige Quellenmaterial, wie die vorausgegangenen Untersuchungen
gezeigt haben, nicht oder nur ungenügend vorhanden, andererseits kann man
sich nicht immer darauf verlassen, daß die Berichte der fürstlichen Beamten die
damalige Wirklichkeit in jedem Falle wiedergeben1. Das Taxationsverfahren der
fürstlichen Regierung erw’eist sich ebenfalls als unbrauchbar, weil die Taxen zum
Teil ganz erheblich unter dem Verkehrswert der Objekte lagen. Taxierungen sind
ohnehin geeigneter zur Wertbestimmung großer Güter, z.B. der herrschaftlichen
Temporalbestandshöfe, anläßlich von Verpachtungen und Verkäufen.
Zur Berechnung des Einkommens der nassau-saarbrückischen Bauern im 18. Jahrhundert
erscheint daher eine vereinfachte Einnahmen-Ausgabenrechnung brauchbar.
Sie bietet die Möglichkeit, die zahlreichen und ihrer Herkunft nach recht unterschiedlichen
Daten größtenteils zu verwenden und sie in verrechenbare Geldbeträge
umzuwandeln. Auf Schätzungen kann daher weitgehend verzichtet werden, so daß
die Gefahr unvertretbarer Spekulationen ausgeschaltet wird.
Mit Hilfe dieser Methode können freilich nur die bedeutenden Zweige der Bauernwirtschaft
erfaßt werden, weshalb keine umfassende Abrechnung der Einnahmen
und Ausgaben der Betriebe erwartet werden darf. Das quantitativ Faßbare soll
vielmehr dargestellt und in einer kurzen Zusammenfassung unter Berücksichtigung
des darüber hinaus Bekannten bewertet werden.
Die folgende Einkommensberechnung geht von den Durchschnittswerten der
Haupttabellen aus und stellt die Verhältnisse der Höfe von 5, 10, 20, 35 und 50 ha
dar.
1 Vgl. dazu die Berechnungsvorschläge von C. F. v. Benekendorf, Oeconomia forensis,
Bd. 1, Berlin 1780, S. 295 ff. und F. W. Henning, Ostpreußen, S. 156 ff.
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