Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

Aufteilung der Zehnten und ihre Berechtigten 
Alle Bauern des Fürstentums waren verpflichtet, die Zehnten zu entrichten. Mit 
Recht weist Gerhard zwar darauf hin, daß die Zehntpflicht für die Untertanen 
nie besonders ausgesprochen, in der Praxis jedoch danach verfahren wurde283. 
Ausnahmen von dieser Regel sind im bäuerlichen Bereich weder für eine Person 
noch für ganze Dörfer bekannt284. 
Die Bauern entrichteten den großen Zehnten hauptsächlich an den Fürsten und 
das Stift St. Arnual. In der Grafschaft Saarbrücken zählten ferner die Flerren von 
Warsperg, der Deutsche Orden in Beckingen, die katholische Kirche in Schwal- 
bach, die Herren zu Rohlingen (Ruhlingen), das Kloster zu Fraulautern, der luthe¬ 
rische Pastor zu Eiweiler und der reformierte Pfarrer in Ludweiler zu den Berech¬ 
tigten des großen Zehnten. Im Oberamt Ottweiler empfingen die Fürsten den Zehn¬ 
ten fast ausschließlich. Es gab einen kleinen Distrikt in Bexbach, von dem der 
reformierte Pfarrer in Limbach den großen Zehnten bezog, und ein Stück Acker¬ 
land in Welschbach, von dem der katholische Pastor in Illingen die dritte Zehnt¬ 
garbe erhielt285. 
Der kleine Zehnt der Grafschaft ging vornehmlich an die Pfarrer zur Besoldung 
oder an das Stift St. Arnual. Im Oberamt Ottweiler bezogen die Fürsten und die 
lutherische Kirchenschaffnei Ottweiler den kleinen Zehnten je zur Hälfte. In den 
später zum Oberamt Ottweiler gekommenen Orten gab es ein paar Ausnahmen. 
So nahmen der Fürst und der reformierte Pfarrer von Limbach den Gewirk-, Blut- 
und Hirsezehnten je zur Hälfte in Niederbexbach. In Wustweiler besaß der katho¬ 
lische Pastor von Eppelborn den kleinen Zehnten ganz und erhielt in Uchtelfangen 
den kleinen Zehnten von den katholischen Einwohnern, während er ihn bei den 
protestantischen Bauern des Ortes mit dem evangelischen Pfarrer von Dirmingen 
teilen mußte. 
Die Zehntverhältnisse des Oberamtes Ottweiler waren übersichtlich, die der Graf¬ 
schaft Saarbrücken können aus der Haupttabelle G entnommen werden. 
Die Anteile der Herren an den Zehnten zeigt die folgende Übersicht286 : 
Großer Zehnt: 
Grafschaft Saarbrücken: 
Nassau-Saarbrücken 
53 % 
Stift St.Arnual 
36% 
Deutschorden 
2% 
Kirche Schwalbach 
2% 
Herren von Warsperg 
1% 
Herren von Rohlingen 
1% 
Kloster Fraulautern 
1;/2 % 
283 H.-H. Gerhard, a.a.O., S. 52. 
284 LA SB, Best. 22 Nr. 2457a, S. 77; eine neunjährige Abgabenfreiheit für Naßweiler 
zum Aufbau des Ortes 1604 ist allerdings ausgesprochen worden. Für das 18. Jahr¬ 
hundert fehlen solche Beispiele. Befreiungsanträge für einzelne Zehntarten, z. B. den 
oben erwähnten Kartoffelzehnt, wurden zwar gestellt, führten aber zu keinem Erfolg. 
285 Dies und das Folgende nach K. Hoppstädter, Der Zehnte, S. 2. 
286 Gleiche Quelle wie Tabelle 51. 
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