Full text: Die Bauernwirtschaften des Fürstentums Nassau-Saarbrücken im 18. Jahrhundert

Gegen den jüngsten unter den Zehnten, den Kartoffelzehnt, lehnten sich Nieder- 
salbach, Püttlingen, Ransbach und Völklingen auf273 274; er wurde 1793 aufgehoben, 
soweit er der Herrschaft oder dem Stift St. Arnual zustand271. Während im Ober¬ 
amt Ottweiler auch der Zehnt von Heu und Stroh gegeben wurde275, war dieser in 
der Grafschaft Saarbrücken im Wiesengeld enthalten. 
Der kleine Zehnt konnte z.T. auch in Geld abgetragen werden. Statt des zehnten 
Teils des eben geborenen Viehs zahlten die Bauern für einen Hammel 4 V» Kreuzer, 
ein Lamm und ein Ferkel 5 Albus276. Der Hammelzehnt wurde 1736 zum ersten 
Mal in Geld verrechnet, und Rolle meint, die Geistlichen hätten dabei profitiert277. 
In Wirklichkeit hatten die Pfarrer ihre liebe Not, zu ihren Einkünften aus dem Ham¬ 
melzehnt zu kommen278. Die Bauern wollten nicht bezahlen und machten falsche 
Angaben. Darauf ordnete der Fürst die Anlage von Zähllisten an, in denen die 
Meier die zweijährigen und älteren Hammel (für den Hammelzehnten) und die 
jüngeren Tiere (für den Lämmerzehnten) erfassen sollten279. Ransbach erhob fer¬ 
ner Einspruch gegen den Rapszehnten, weil nicht genau ersichtlich sei, ob in Rans¬ 
bach vordem der Rapszehnt zum kleinen Zehnt gezahlt worden2*0. 
Ch. Lex erwähnt für einige Orte den Tabakzehnten. In der ersten Hälfte des 18. 
Jahrhunderts war der Tabakanbau bekanntlich zum eigenen Bedarf und zum Ver¬ 
kauf außer Landes zwar erlaubt, wurde aber wegen der Verpachtung des Tabak¬ 
handels an einen Beständer nicht gerne gesehen. Als Ergebnis der monopolistischen 
Tabakpolitik kam ein Anbau der Pflanze im Laufe des 18. Jahrhunderts hier nicht 
richtig auf. Der in den wenigen Orten mit Tabakanbau eigenommene Zehnt war 
daher nicht der Rede wert. 
Von neu erschlossenem Kulturland forderte die Herrschaft den Neubruchzehnten 
ganz für sich281. Ch. Lex nennt 1756 die Orte Scheidt, Scheidter Berg, Rentrisch, 
St. Arnual und Brebach, in denen dieser Zehnt erhoben wmrde. Im Laufe der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts rodete man noch in einigen anderen Orten, die eben¬ 
falls den Neubruchzehnten entrichteten. Die Kellereirechnungen weisen den Neu¬ 
bruchzehnten häufig unter der dort angepflanzten Zehntfrucht aus282. 
273 LA SB, Best. 22 Nr. 2891, Bl. 86 für Niedersalbach, weil sie vorher niemals diesen 
Zehnt gegeben hätten; Arch. Dep. Metz, 10 F 400 für Püttlingen, gleiche Begrün¬ 
dung; LA SB, Best. 22 Nr. 2819, Bl. 23 für Ransbach, gleiche Begründung; LA SB, 
Best. 22 Nr. 2979, Bl. 7 für Völklingen, weil der Herr von Warsperg, dem dieser 
zu einem Drittel zustehe, doch niemals etwas bekomme. 
274 F. Rollé, a.a.O., S. 41; Dekret v. 20. 1. 1793. 
275 LA SB, Best. 22 Nr. 2263, S. 217 f. 
276 LA SB, Best. 22 Nr. 2015, S. 82 und Nr. 2077, S. 37. 
277 H.V. —H 11, S. 77. 
278 LA SB, Best. 22 Nr. 3768; Zehntstreit des Heusweiler Pfarrers gegen die Köllertaler 
vor dem Fürsten 1767. 
279 LA SB, Best. 22 Nr. 3534; Reg.-Erl. v. 3. 10. 1767. 
280 H.V. —A438. 
281 Ch. Lex, a.a.O., passim. 
282 LA SB, Best. 22 Nr. 2077, S. 100—109. 
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