Full text: Die saarländischen Weistümer, Dokumente der Territorialpolitik

Position war. Hier entstand 1563 ein Weistum, das besondere Rechte einzelner 
Anteilsherren festlegte und außerdem das Recht eines freien adeligen Hauses im 
Bezirk erläutert. In der Herrschaft T h e 1 e y208 209, die Trier gemeinsam mit Lothrin¬ 
gen gehörte, entstand 1527 ein Weistum, das die Rechte beider Herren enthält: 
das Jahrgeding hielt der kurfürstliche Amtmann allein ab, allerdings in Gegen¬ 
wart lothringischer Vertreter. Trier versuchte durch das Weistum festzustellen, 
daß es Landesherr im Bezirk sei, während Lothringen als Nachfolger einer vom 
Kurfürsten belehnten Adelsfamilie keine derartigen Ansprüche stellen könne. 
Diese Absicht ließ sich nicht verwirklichen. Ein Sonderfall ist das Stadt¬ 
weistum von St. Wendel, das inhaltlich einer Stadtordnung entspricht, 
geregelt wurden fast ausschließlich innere Angelegenheiten der Gemeinde, 
wie es in dieser Ausführlichkeit sonst nur in Dorf- oder Stadtordnungen 
geschehen ist. überhaupt nicht in den sonstigen Weistumsbegriff paßt das 
Schöffenweistum des Amtes St. Wendel von 1575200: eine Amtsbeschrei¬ 
bung, die die Zahl der Feuerstätten in jeder zum Amt gehörigen Ortschaft, 
außerdem die grund-, leib- und landesherrschaftliche Zugehörigkeit der Bewohner 
darlegt. Aus dem Titel „Weistum“ kann man in diesem Fall nur schließen, daß 
die Amtsbeschreibung durch Befragung der Schöffen entstand, formal handelt 
es sich nicht um ein Weistum. 
2.5.3.2. Das Amt Blieskastel 
lm Hochgericht Blieskastel, zu dem die sieben Höfe Habkirchen, Bebels¬ 
heim, Wittersheim, Erfweiler, Niederwürzbach (bzw. die Wüstung Selbach), 
Ballweiler und Rubenheim gehörten210, standen Hochgerichtsweistümer und 
Dorfweistümer nebeneinander. 
Hochgerichtsweistümer sind die Blieskasteler Weisungen von 1421, 1540 und 
die Erneuerung des ersten Weistums im Jahre 1570. Behandelt wurden aber 
nicht nur Angelegenheiten der Gerichtsherrschaft, sondern auch Wirtschafts¬ 
angelegenheiten u. a. Schweinemast im Wald und Allmendnutzung. 
Daneben sind Dorfweistümer überliefert. Interessant ist besonders eine Gruppe 
von fünf Weistümern, die zwischen dem 10. und 15. Juni 1504 in den Höfen 
erfragt wurden, die zur Gemeinherrschaft von Trier und der Familie Lewen- 
stein-Randeck211 gehörten: in Bebelsheim, Erfweiler, Habkirchen, 
Selbach und Wittersheim. Diese haben einen fast gleichlautenden 
Text und waren offensichtlich vorbereitet zum Weisungstermin mitgebracht 
worden. Das ist ein einzigartiges Beispiel herrschaftlicher Rechtssetzung im saar¬ 
ländischen Raum, vergleichbar sind nur noch die letzten Tholeyer Weistümer 
von 1618 und 1621. 
208 über die Geschichte vgl. Josef Bongartz, Das Gemeinschaftliche Hochgericht The¬ 
ley (Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 15/1965, 19—109). 
209 StAK 1 A/3748, 3—14. 
210 Nach dem Weistum von 1570; 1421 fehlen Ballweiler und Rubenheim, dafür steht 
zusätzlich Mandelbach. Vgl. Wolfgang Krämer, Alte Nachrichten über das Blies¬ 
kasteler Hochgericht (Zeitschrift für saarländische Heimatkunde 2/1952, 148—155). 
211 Vgl. Gemeinde- und Ortslexikon, hrsg. vom Statistischen Amt des Saarlandes, 
Artikel Bebelsheim. 
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