Full text: Die saarländischen Weistümer, Dokumente der Territorialpolitik

Fechingen, der interpoliert sein könnte, wird festgelegt, daß dem Herzogtum 
34 der Hochgerichtsbarkeit im Dorf zustande. Eine vorläufige Regelung bedeutete 
der Vertrag vom 23. August 158 1 548, worin die Probleme, die bis dahin durch 
Schöffenentscheidung gelöst werden sollten, durch die beiderseitigen Verhand¬ 
lungskommissionen beigelegt wurden. 
Die Veränderungen im Weistumsrecht sollen durch eine Zusammenstellung der 
Weisungen aus dem gleichen Themenbereich dargestellt werden. 
1. Einleitungsfragen 
I 1. Sitzordnung der vier Herren oder ihrer Vertreter, der vier Meier, auf dem 
Jahrgeding und bei Gerichtssitzungen 
II 1. Aufzählung der Herren, aber andere Namen als I 1. 
II 3. Sitzordnung der Herren bei Gericht, im wesentlichen wie I 
III 2. Aufzählung der vier Herren, gleiche Namen wie in II l549 
IV 2. wie III 2. 
V — 
Ergänzungen und einmalige Weisungen 
III 1. Fragen auf dem Jahrgeding stellt der lothringische Vertreter 
IV 1. wie III 1. 
III 18. Die Kost für Amtleute, Meier und Schöffen auf dem Jahrgeding ist aus 
den Bußen und, wenn diese nicht ausreichen, aus den Grundabgaben 
zu zahlen 
IV 19. wie III 18. 
2. Hochgerichtsbarkeit 
I 6. Ein Verbrecher, den ein Hochgerichtsverfahren erwartet, wird drei 
Wochen in Saargemünd und eine Woche in Saarbrücken gefangen ge¬ 
halten, bis die Herren eine Entscheidung über ihn gefällt haben. Wenn 
er den Tod verdient hat, soll er in Fechingen hingerichtet werden 
II 15. Verfahren in Hochgerichtsfällen wie I 6. 
III 3. Verfahren in Hochgerichtsfällen, ähnlich wie in I 6. 
IV 3. wie III 3. 
V 2. Begründung für Verteilung der Hochgerichtsrechte entsprechend I 6. 
chen inhaltliche Gründe: z. B. wird der Wald Lothringen allein zugewiesen, wie in 
den beiden letzten Jahrgedingen, wogegen Saarbrücken protestierte, während im 
15. Jh. nur ein Gemeindewald vorkommt, d. h. also, daß Waldfragen damals nicht 
umstritten waren. Sie tauchen erst in den Weistümern nach 1565 auf, als das Saar- 
gemünder Weistum mit Sicherheit schon vorlag. Man könnte also an eine Fälschung 
in der lothringischen Verwaltung nach der Mitte des 16. Jahrhunderts denken. 
548 Gedr.: Franz Cuny, Der Vertrag vom 23. August 1581 (Jahrbuch der Gesellschaft 
für lothringische Geschichte und Altertumsurkunde 13/1901, 145—163) 156—163. 
549 Das ist ein Hinweis, daß das Weistum II bei diesem Jahrgeding vorlag. Die in 
Weistümern sonst genannten Herrschaftsangaben müssen also immer überprüft 
werden, ob sie den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, was Schlüsse ermög¬ 
licht, ob es in früherer Zeit schon einmal Weisungen gegeben haben kann. Zur 
Altersbestimmung des Weistumsrechtes können solche Erkenntnisse aber nicht be¬ 
nutzt werden, denn in diesem Weistum zeigen sich sonst keine anachronistischen 
Elemente. 
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