Full text: Die saarländischen Weistümer, Dokumente der Territorialpolitik

3.3.3. Pflichten der Untertanen gegenüber dem Hochgerichtsherrn 
Die Untertanen hatten nach sehr vielen Weistümern die Verpflichtung, einen 
im Bezirk festgestellten Verbrecher gefangen zu nehmen und dem Hochgerichts¬ 
herrn zu überstellen. 
Die Verpflichtung war der ganzen Gemeinde auferlegt oder auch einem beson¬ 
deren Beauftragten der Herrschaft wie Meier, Förster oder Inhaber von beson¬ 
deren Gütern. Sie hatten dann allerdings das Recht, andere Bewohner falls 
nötig zur Unterstützung heranzuziehen469. 
469 Aussen 1559 (durch Meier), Beckingen 1569, 1574 (durch die Gemeinde), Blies¬ 
kastel 1421 (durch zwei Bewaffnete, die vom Schultheiß und Hund zu stellen sind), 
1540 (Verpflichtung der Gemeinde dazu festgelegt), Differten 1454 (an den am 
nächsten wohnenden Herrn), Eidenbom 1559, 1564 (durch Meier, Boten und wem 
es der Meier sonst noch gebietet in das nächste Haus), Erfweiler 1504 (durch den 
Zender festzunehmen, eventuell auch von Schöffen oder Hofleuten, wenn dieser 
nicht erreichbar ist), Eschringen 1498 (Festnahme durch den Meier mit Hilfe der 
Hofleute und Überlieferung an den nächsten Herrn), Eschringen 1564 (Festnahme 
durch Meier und Hofleute, wenn es diesen nicht gelingt, den Täter zu fangen, 
müssen die Herren dabei helfen), 1564 (wenn der Meier einem Hofmann befiehlt, 
sich an Festnahme und Überstellung eines Verbrechers zu beteiligen, ist dieser bei 
Verweigerung in ungnad und straff der herren), Fechingen II (Festnahme durch 
einen Meier oder Schöffen mit Hilfe der Hofleute), Fechingen nach 1567 (der 
Meier, der als erster dazukommt, nimmt den Verbrecher im Namen aller vier Herren 
gefangen), Harlingen vor 1559 (Meier nimmt ihn mit seinen Dienern fest, falls es 
noch so früh am Tag ist, daß er dies dem Vogtmeier in Merzig mitteilen kann, soll 
er diesem den Verbrecher hinter der Kirche ungefesselt übergeben; ist es schon 
zu spät, wird der Verbrecher eine Nacht ins hundsheusgenn gesperrt, wo der Meier 
auch die Abgaben sammelt. Das weitere Verfahren steht im Belieben des Kur¬ 
fürsten), Haustadt 1577 (Buße, wenn die Untertanen die Hilfe bei der Fest¬ 
nahme und Überstellung verweigern), Herbitzheim 1417 (vom Meier festzunehmen 
und den Knechten des Kastenvogts zu melden — die sich also offensichtlich immer 
im Bezirk aufhielten —, diese benachrichtigen dann ihren Herrn in Saaralben, von 
wo aus der Verbrecher abgeholt wird), 1458 (man soll ihn fangen und dann dem 
Kastenvogtknecht übergeben, derjenige, der einen Verbrecher fängt, hat Anspruch 
auf eine caißvogtshenne), 1464 (der Heimmeier soll mit Hilfe aller Hofleute einen 
Verbrecher festnehmen, der Kastenvogt bzw. sein Vertreter haben nicht das Recht, 
einen Hofmann aus anderen Gründen als den fünf Dingen festzunehmen und die¬ 
sen dadurch an seiner Ehre zu schmälern), Hostenbach, Werbeln und Schaffhausen 
1464 (Verbrecher ist an den Abt zu übergeben), KÖllertal 1518 (Meier kann Hof¬ 
leuten befehlen, einen Verbrecher nach Saarbrücken zu führen, wer sich weigert, 
muß dies dem Grafen abtragen, wer dies nicht tut, ist am Jahrgedingstag 60 Schil¬ 
ling 1 Heller Buße verfallen, also offensichtlich mehr, als die Strafe durch den 
Grafen gewesen wäre. Der Meier kann den Befehl zur Uberstellung zwei oder 
drei Hofleuten geben, die er wohl beliebig auswählen kann), Lisdorf 1458 (durch 
die Inhaber der freien Hofstätten), Merchingen 1587 (Diener der gemeinen Herren 
sollen den Verbrecher nach Montclair bringen und von dort weiter zu den anderen 
Herren), Saargau 1529 (jeder Einwohner, dem es geboten wird, ist verpflichtet, 
bei der Überstellung eines Verbrechers zum Vogtmeier zu helfen, der für die 
eigentliche Überstellung in die Häuser der Herren zuständig ist), Oberbexbach 
1453 (Festnahme durch Gemeinde und den Deutschen Orden), Oermingen 1550 (die 
Gemeinde muß ihn nach Diemeringen bringen), Reimsbach 1558 (ein Verbrecher 
ist vom Meier im Namen der vier Herren festzunehmen und zunächst nach Büsch¬ 
feld zu führen, dies gilt auch für eine Festnahme auf der Landstraße, auf der an 
sich Lothringen allein berechtigt ist; an das Weistumsprotokoll ist jedoch ein 
Bericht über einen Hochgerichtsfall angehängt, wobei Lothringen die ganze Juris¬ 
diktion und Festnahme an sich gezogen hatte), St. Ingbert Hochgerichtsherrn 1567 
(Angriff durch den Hunnen, der den nächsten Hofleuten zu gebieten hat, den Ver¬ 
brecher nach Blieskastel zu führen). St. Nabor (die Förster müssen einen Ver¬ 
146
	        

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