Volltext: Die Wüstungen des Saarlandes

len ausbreiteten, wobei während der Wüstungsphase Name und rechtliche 
Situation unverändert fortbestanden31. Dabei sind die Nutzflächen mit ver¬ 
minderten Steuerabgaben oder unklaren Besitzverhältnissen zu beachten: 
„Bei längerem Wüstfallen mit fehlender oder stark eingeschränkter Wieder¬ 
herstellung der früheren Formen bei der Wiederbesiedlung sind temporäre 
Wüstungen gegeben... Wüstungen waren dem frühneuzeitlichen Sprach¬ 
gebrauch nach Areale mit Steuerminderung, Rechts- und Besitzunsicherheit. 
Erst die Neubesiedlung bewirkte eine Neuregelung der Steuer- und Besitz¬ 
verhältnisse, sie erreichte den Abschluß des Wüstungscharakters und 
machte ihn so temporär32." W. Abel, der 1955 noch von „temporalen" Wü¬ 
stungen sprach33, forderte 1967 die Erweiterung des Schemas von K. Schar¬ 
lau um die Begriffe „temporär" und „permanent": „Zahlreiche Orte, die ehe¬ 
mals verlassen waren, blieben nicht wüst. Sie wurden wiederaufgebaut und 
verschwanden — so sei einmal unterstellt —,ohne Spuren zu hinterlassen im 
Landschaftsbild. Dann interessieren sie nur wenig, wenn das Interesse an 
den Wüstungen sich auf die historische Deutung nur der Gegenwart be¬ 
schränkt, doch gewinnen sie an Gewicht, wenn Wüstungen in ihrer Zeit 
gesehen werden. Denn in der Zeit, in der sie entstanden und in der sie 
dauerten, unterschieden sie sich nur wenig von den Dauerwüstungen, die 
bis heute verblieben34." 
Temporäre Wüstung 
! 
▼ 
Permanente Wüstung 
partielle 
totale 
▼ T Ortswüstung 
► Totale Wüstung ^-1 
In diesem Zusammenhang sei noch kurz auf den Unterschied zwischen 
„Flurwüstung" und „Wüstungsflur" hingewiesen: Unter Wüstungsflur ist 
die ehemalige agrarische Nutzungsfläche einer aufgelassenen Siedlung zu 
verstehen. Eine Flurwüstung kann mit einer Wüstungsflur identisch sein, 
aber auch zu einer ständig bewohnten Siedlung gehören. Bei der Flur¬ 
wüstung wird die Flur nicht mehr ackerbaulich, jedoch oft forstwirtschaftlich 
intensiv genutzt35. Zu Beginn der fünfziger Jahre wurde auf mündlichen 
partielle 
totale 
Flurwüstung 
31 H. Jäger, Dauernde und temporäre Wüstungen in landeskundlicher Sicht, 
in: ZAA, Sonderheft 2, 1967, S. 19. 
32 M. Born, Wüstungsschema u. Wüstungsquotient, S. 211. Vgl. auch ders., 
Wüstungen und Sozialbrache, Erdkunde, Bd. 22, 1968, S. 147. 
33 W. Abel, Die Wüstungen des ausgehenden Mittelalters, Stuttgart 1955, 
2. Aufl. S. 2. 
34 W. Abel, Wüstungen in historischer Sicht, in: ZAA, Sonderheft 2, 1967, S. lf. 
35 H. Jäger, Einige Grundfragen der Wüstungsforschung mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung von Mainfranken, in: Würzburger Geographische Arbeiten, Heft 
12, 1964, S. 5. 
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