Full text: Grundlegung der Ethik als Wissenschaft

liehen Geistes, in dem dieser aus klarem Sei bstbewußt- 
sein das klare Selbstbewußtsein anderen Bewußtseins 
zum besonderen Zweck hat. 
Sprechen wir vom „sittlichen Bewußtsein“, dann sagt dies 
immer soviel wie „sittlich wollendes Bewußtsein“, und 
„sittliche Handlung“ bedeutet immer „sittlich gewollte 
Handlung“. Sittliches Bewußtsein also ist ein menschlicher 
Geist, der anderem Bewußtsein die Wesen Veränderung von Un¬ 
klarheit zu Klarheit wirken will, was wir auch auf den kürzeren 
Ausdruck bringen können: Sittliches Bewußtsein will 
sittliches Bewußtsein. Denn wir wissen, daß mit der vom 
sittlichen Bewußtsein gewirkten Klarheit des anderen Bewußt¬ 
seins sich diesem auch das Sicheinswissen mit anderem Be¬ 
wußtsein einstellen und weiter auch, sofern dieses ein unklares 
Selbstbewußtsein aufweist, das sittliche Wollen einstellen 
muß. Das Sittliche betrifft immer das Wollen menschlichen 
Bewußtseins; sprechen wir von „sittlicher“ Handlung, so be¬ 
trifft es immer eine Willenshandlung, nicht die Handlung als 
besondere Veränderung im Wirklichen, sondern das besondere 
Wollen, das ihre wirkende Bedingung ist, macht sie zur „sitt¬ 
lichen“, nämlich dasjenige Wollen, in dem menschliches Be¬ 
wußtsein selbstlos und stellvertretend für anderes Bewußtsein 
das „Sichgeistwissen“ wirken will. 
In dem „Sichgeistwissen“ ist eben, wie das Sicheins¬ 
wissen mit anderem Bewußtsein, soauchdas sittliche Wollen 
selbst beschlossen; denn in dem Sichgeistwissen wurzelt alle 
Liebe2 und somit auch alles sittliche Wollen; also diese drei 
sind in der Tat für das Sittliche überhaupt ein Dreieiniges, 
das an die Dreieinigkeitslehre der christlichen Kirche erinnert 
„Vater, Sohn und heiliger Geist“ und in die Formel gebracht 
werden kann: „Geist, Liebe2 und sittlicher Wille“. 
Sittliches Wollen also gründet sich auf und hängt notwendig 
zusammen mit der Liebe2 d. i. dem Sicheinswissen mit anderem 
Bewußtsein und durch dieses wieder mit dem grundlegenden 
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