Full text: Grundlegung der Ethik als Wissenschaft

er, wenn er auch ein „Selbstbewußtsein“ aufweist, doch nicht 
sich Geist, sondern eben entweder nur einen menschlichen 
Körper oder aber einen Menschen weiß. In beiderlei Verirrung 
kann er sich aber trotz des unbestreitbaren Wesenseins sei ns 
mit anderem Geiste doch nicht einswissen mit diesem, also 
weder wenn er sich einen Körper, noch wenn er sich ein aus 
Körper und Geist zusammengesetztes Einzelwesen „Mensch“ 
weiß. 
Klares Selbstbewußtsein d. h. sich selbst Geist wissen 
ist für das menschliche Bewußtsein im „Leben“ d. i. wann 
nur immer es mit anderem Bewußtsein zusammen sich findet, 
stets mit Sicheinswissen verknüpft, dem sich als drittes, 
sofern sich das andere Bewußtsein als nicht sich Geist wissendes 
erweist, sofort das sittliche Wollen des sich Geist wissenden 
Geistes für das andere Bewußtsein anschließt, ein Wollen, dessen 
besonderer Zweck demnach klares Selbstbewußtsein des anderen 
Geistes bedeutet. Daß aber menschlicher Geist sich selbst Geist 
wissen, also klares Selbstbewußtsein haben könne, bezeugt un¬ 
mißverständlich wieder die Tatsache sittlichen Wollens, da 
ja nur ein Geist mit klarem Selbstbewußtsein einem anderen 
Bewußtsein klares Selbstbewußtsein wirken wollen und der 
wollende Geist auch das „sich Geist wissen“ nur aus sich selbst 
wissen kann. So ist es denn auch schlechthin ausgeschlossen, 
daß der menschliche Geist, solange er sich nicht reinen Geist, 
sondern vielmehr einen menschlichen Körper oder auch einen 
Menschen weiß, anderem Bewußtsein das „Sichgeistwissen" 
wollen könne. 
Nur sich selbst klar wissendes Bewußtsein kann auch klares 
Selbstbewußtsein für anderes Bewußtsein wollen und zwar 
nur, wie sich freilich von selbst versteht, für solches Bewußt¬ 
sein, das selber unklares Selbstbewußtsein aufweist, also sich als 
menschlichen Körper oder als einen Menschen weiß. Denn 
sich selbst klar wissender Geist kann ja als solcher die Wesens¬ 
veränderung von Unklarheit zu Klarheit nicht erfahren. 
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