Full text: Die nationalsozialistische Herrschaftsübernahme an der Saar

neuen Richtlinien des Deutschen Beamtenbundes eine Personalunion des Vor¬ 
sitzenden des saarländischen Bundes und des Leiters der Beamtenabteilung der 
NSDAP-Saar sofort durchzuführen. Der saarländische Vorschlag sah vielmehr 
Neuwahlen vor mit dem Ergebnis eines nationalsozialistischen Vorsitzenden. Dies 
empfand die Berliner Leitung als ungenügend, versprach aber sich für eine beson¬ 
dere Stellung des saarländischen Bundes innerhalb des Deutschen Beamtenbundes 
einzusetzen. Der Vorschlag der saarländischen Beamtenvertreter wurde jedoch von 
Voigt, Koßmann und dem Ministerialdirektor in der Abteilung der Regierungs¬ 
kommission für Volkswohlfahrt, Dr. Obe, unterstützt14, so daß der aus Neu¬ 
wahlen hervorgegangene Vorsitzende ein Angehöriger der NSDAP-Saar, Jakob 
Russhardt, war. Diese Regelung wurde erleichtert dadurch, daß Russhardt 
geschickt genug war, der besonderen Situation im Saargebiet durch Zurückhaltung 
Rechnung zu tragen und durch Verbindlichkeit gegenüber den Mitgliedern des 
Beamtenbundes eine Opposition zu unterbinden15. Der Einfluß der NSDAP 
blieb auch nach den nach Ansicht Knox’ korrekt durchgeführten Neuwahlen am 
15. 2. 1934 bestehen 16. Mit dem neuen Vorsitzenden Lietz wurde der Vorschlag 
der Berliner Dachorganisation verwirklicht, da Lietz zugleich Leiter des saar¬ 
ländischen NSDAP-Amts für Beamte war. Sein Versuch, einzelne Beamtengruppen 
in ihrer Selbständigkeit zu beschneiden, fand zwar die Unterstützung des Reichs¬ 
innenministeriums, scheiterte aber am Widerspruch des Auswärtigen Amts 17. 
Weniger stark war der nationalsozialistische Einfluß auf den Katholischen Lehrer¬ 
verband des Saargebiets. Da der NS-Lehrerbund von der Regierungskommission 
offiziell nicht anerkannt wurde, schloß er einen Vertrag mit dem Katholischen 
Lehrerverband. Die Mitglieder des katholischen Verbandes wurden dadurch 
zugleich Mitglieder des NSLB 18, der sich auf diese Weise Anerkennung verschaffte. 
Dieses Experiment, die NSDAP zu berücksichtigen, scheiterte jedoch an der nicht 
unterbundenen Agitation des NSLB, vor allem in der Judenfrage. Auch nach der 
Auflösung der NSDAP-Saar im Frühjahr 1934 blieb der NSLB außerhalb der 
Deutschen Front und war bestrebt, noch vor der Rückgliederung die alten Lehrer¬ 
verbände aufzulösen. Dagegen standen die Pläne der Deutschen Front, den NSLB 
seinerseits aufzulösen und alle übrigen Lehrervereinigungen in einer auch national¬ 
sozialistisch zu schulenden Arbeitsgemeinschaft zusammenzuschließen 19. Im 
Sommer 1934 wurde der Streit innerhalb der saarländischen Lehrerschaft von der 
pfälzischen Gauleitung geregelt, ohne daß das Ergebnis bekannt ist20. 
Die Vorgänge unter Beamten und Lehrern zeigen einen Einfluß von deutscher 
Seite mit dem Ziel der Neuausrichtung in unterschiedlicher Weise, aber auch die 
14 Venn. Voigts v. 4.5.33: ebda. 
15 Berichte Watermanns v. 8.9.33 und 22.1.34: ebda., Bd. 26. 
16 Sehr, des saarländischen Beamtenbundes v. 20.2.34 an das AA: ebda.: Sitzung der 
Reg.kommission v. 28.2.34: LA Saarbrücken, Best. Koßmann, Nr. 23, S. 165. 
17 Sehr. Lietz’ v. 30.5.34 an das AA, Verm. Voigts v. 17.6.34, Sehr, des Reichsinnenmini¬ 
sters v. 31.8.34 an das AA und dessen Antwort v. 6.9.34: AA ... betr. Beamte, Bd. 27. 
18 Vertrag v. 7.9.33: StA Koblenz, Abt. 403 Nr. 16859, S. 269 sowie undat. und ungez. 
Aufzeichnung v. 1934: ebda., Nr. 16861, S. 123. 
19 Bericht Watermanns v. 21.7.34 mit Anlagen: ebda., S. 119-29. 
10 Bericht Watermanns v. 3.8.34, Erlaß des Preuß. Kultusministers v. 21.9.34 an Water¬ 
mann: ebda., S. 143 u. 925. 
112
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.