Full text: Die Geschichte der Saarländischen Kreditbank Aktiengesellschaft

Wechselkonto keinen Bestand mehr auswies. Wechseleingänge mit Beträgen von 
90 Trillionen Mark waren an der Tagesordnung. Am Ende des Jahres 1923 wies 
das Frankenwechselkonto einen Bestand von 2 198 484,13 frs. auf, wovon 
272 095,91 frs. Wechsel in anderer Währung als Franken und Mark waren354. 
Auch die übrigen Konten zeigten eine ähnliche Entwicklung. Die Jahre 1925 und 
1926 waren für die Filiale der Deutschen Bank in Saarbrücken in vielfacher Hin¬ 
sicht von Bedeutung. Einmal mußte die Filiale mit einer neuen Inflation, der 
ständigen Entwertung des französischen Franken fertig werden, zum anderen eine 
starke Kreditverknappung überbrücken. Zwar stiegen die Kreditoren von 43 Mil¬ 
lionen auf 73 Millionen frs.355, die Debitoren gingen jedoch von 39 Millionen 
frs. auf 36 Millionen frs. zurück. 33 fl/o der 1926 hereingenommenen Gelder wa¬ 
ren Verpflichtungen gegenüber dem Ausland, was bereits die beginnende Ver¬ 
schuldung an das Ausland anzeigt356. Lediglich das Wechselkonto konnte eine 
Erhöhung des Bestandes aufweisen. Allerdings muß hierbei berücksichtigt wer¬ 
den, daß der Wechselbestand erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1925 anstieg, 
als sich die Situation der Wirtschaft bereits zu bessern und auch der französische 
Franken sich zu festigen begann357. Am 30. Juni 1926 wies das Wechselkonto 
einen Bestand von 1 004 317,70 frs. aus358. Die Nostroguthaben bei verschiede¬ 
nen Banken stiegen von 7 Millionen auf 10 Millionen frs. Die Bank war in vielen 
Fällen im Interesse der Erhaltung ihrer Substanz nicht in der Lage, Kredite in 
französischen Franken herauszulegen. Wurden solche Kredite dennoch gewährt, 
so geschah es fast ausschließlich mit Valutaklausel. In den meisten Fällen wurden 
den Kreditnehmern jedoch nur Vorschüsse in den stabilen Währungen wie Reichs¬ 
mark, Dollar, Pfunde, niederländische Gulden usw. zur Verfügung gestellt. Die 
Lage des Kaufmannes an der Saar war daher nicht besonders gut. Auf der einen 
Seite erwuchsen ihm Verbindlichkeiten in Gold, während dagegen seine Außen¬ 
stände — der Erlös seiner im Saargebiet getätigten Verkäufe — auf Papierfranken 
lauteten. Hiergegen gab es nur ein Schutzmittel, auf das die Kundschaft der Filiale 
immer wieder hingewiesen wurde: die Termindeckung359. Viele Kaufleute ergrif¬ 
fen diese Vorsichtsmaßnahme zu spät oder ließen sich von den Erfahrungen der 
354 ASKB-H-1923, 2. Sem. 
355 Interessant ist, daß von den fremden Geldern 1926 keine länger als 3 Monate 
angelegt waren. Von den 73 Millionen frs. waren innerhalb 7 Tagen 46 Millionen frs. 
fällig, was über 63 °/o der gesamten Kreditoren waren. Hieraus geht deutlich die 
Unsicherheit der Kundschaft hervor, Geld auf lange Sicht anzulegen, da eine Stabili¬ 
sierung des Franken noch nicht für sicher galt. Ferner konnten die meisten keine 
größeren Beträge festlegen, da sie ständig Geld bereithalten mußten, um liquide zu 
bleiben (vgl. Anlage 8). 
358 Hierbei ist zu bemerken, daß dies nur Währungsverpflichtungen sind. Dies bedeutet 
für das Saargebiet alle Währungen mit Ausnahme der Mark bzw. des französischen 
Franken. Ferner war für den Begriff „Ausländer“ nicht die Nationalität, sondern der 
Wohnsitz maßgebend (ASKB-BU-1926). 
357 Seinen Tiefstand hatte der französische Franken am 20. Juli 1926 mit 49,22 frs. für 
1 Dollar. Danach besserte er sich bis im Dezember 1926 auf einen Monatsdurch¬ 
schnitt von 25,33 (Der französische Franken, hrsg. von der Handelskammer zu 
Saarbrücken, Juli und Dezember 1926). 
358 Die Pariser Börse notierte für 1 RM am 30. Juni 1926 8,51 frs. oder für 1 Dollar 
34,52 frs. (Der französische Franken, hrsg. von der Handelskammer zu Saarbrücken, 
Juni 1926). 
359 ASKB-Bericht der Personalabteilung pro 1926. 
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