Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

etwa begegnet uns in Flodoards Reimser Kirchengeschichte ein Godefridus princi- 
pis Heinrici comes palacii. Dieser hatte sich die villa Waslecia, das südlich Köln 
gelegene Wesseling, angeeignet, war dann jedoch nach Abweisung der um Rück¬ 
gabe bittenden Boten des Klosters Montfaucon erkrankt; mittens igitur (sc. Gott¬ 
fried) ad episcopum Coloniensem Huicfridum, hunc ad se venire petiit eique rem 
retulit28 29. Dieser bringt ihn zur Einsicht, das entfremdete Gut schleunigst zurückzu¬ 
geben. Das Ereignis läßt sich durch die Erwähnung der Bischofszeit Wigfrieds (924 
bis 953) und die Königszeit Heinrichs I. in die Spanne zwischen 924 und 936 ein¬ 
grenzen. Daß Pfalzgraf Gottfried gerade Erzbischof Wigfried von Köln zu sich bat, 
war nicht zufälliger Natur. In einer Urkunde vom 2. August 945, die ein Rechts¬ 
geschäft in pago Juliacense in comitatu Godefridi comitis betrifft, findet man 
nämlich die folgenden Zeugenschaften: Signum domni Wicbfridi archiepiscopi, qui 
hanc cartam fieri iussit et manu propria firmavit. Signum fratris eius Godefridi 
comitis29. Erzbischof Wigfried war also Gottfrieds Bruder. Bei Jülich, in Gott¬ 
frieds Komitat, hatte Erzbischof Wigfried auch Eigenbesitz30. Und noch einmal 
sieht man diesen Grafen Gottfried neben Erzbischof Wigfried wie auch anderen 
Großen in einer Urkunde Ottos I. vom 1. Juni 949 genannt31. Da seine Tätigkeit 
also im zweiten Viertel des 10. Jahrhunderts nachgewiesen ist, darf man wohl 
auch die Urkunde vom 25. November 941, nach der Düren in comitatu Sunders- 
cas ubi Godefridus comes preesse dinoscitur lag32, bei der Betrachtung dieses Gott¬ 
fried heranziehen33, vor allem auch einen Eintrag im Liber memorialis von Remi- 
28 MG SS XIII S. 593/94. F. W. O e d i g e r, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln 
im MA I (1954/61) nr. 326. 
29 Urkundenbuch f. d. Gesch. d. Niederrheins, hrsg. von Th. J. Lacomblet, Bd. IV 
(1858) S. 761 f. nr. 604; F. W. Oediger, Regesten I nr. 335. 
30 Th. J. Lacomblet, Niederrhein. Urkundenbuch I (1840) S. 49 nr. 88; 
F. W. Oediger, Regesten I nr. 321. 
31 MG DD Otto I S. 194 f. nr. 111. Hierbei wird der Abtei Prüm der Besitz des 
Klosters Süsteren bestätigt. — Man beachte auch das Signum Godefridi comitis in 
der freilich wohl interpolierten Aufzeichnung über die von Erzbischof Wigfried 
vorgenommene Errichtung einer Kapelle im Kölner St. Severinsstift und die gleich¬ 
zeitig getroffene Abgrenzung des Kirchspiels von St. Severin, in: Th. J. Lacom¬ 
blet, Niederrhein. Urkundenbuch I S. 58 f. nr. 102, und bei F. W. Oediger, 
Regesten I nr. 338. 
32 MG DD Otto I S. 128 nr. 42. 
33 Nicht mehr auf diesen Pfalzgrafen zu beziehen sind indessen folgende drei Belege: 
rogatu Godefridi comitis wurde am 11. Juni 958 von Otto I. ein dem Immo in 
villa Castra et in pago Darnegouue ac in comitatu Rotberti comitis gelegenes Gut 
abgesprochen und einem Tietboldus übergeben, MG DD Otto I. S. 276 nr. 194; am 
13. Juni 958 wurde der Ort Wambaix in pago Hainia (= Hennegau) in comitatu 
Godefridi gelegen bezeichnet, ebenda S. 276 nr. 195; nach einer Urkunde vom 
25. Dezember 962 lag der Ort Stommeln in pago Gillgoui in comitatu Gotfridi 
comitis, Th. J. Lacomblet, Urkundenbuch f. d. Gesch. d. Niederrheins I (1840) 
S. 61 nr. 105. Bei diesem Grafen dürfte es sich um den späteren, 964 gestorbenen 
Herzog von Niederlothringen oder eventuell auch um Graf Gottfried von Verdun 
gehandelt haben, der als Gottfried der Gefangene in die Geschichte eingegangen ist. 
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