Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

Gerhard, Matfried und Richar? Zwischen der vermutlichen Geburtszeit Mat¬ 
frieds II., die um 820 anzunehmen sein dürfte, und der der drei angesehenen 
Brüder liegen ca. 55/60 Jahre! Der Spielraum für eine Generation, den man bis¬ 
lang mit der Postulierung eines Grafen Matfried III. füllte, tut sich hier also auf44. 
Nach dieser Feststellung dürfen wir wieder zu unserer Beobachtung zurückkehren, 
daß nicht ein Graf Matfried, sondern ein Adalhard der Vater der drei Geschwi¬ 
ster Graf Gerhard, Graf Matfried und Bischof Richar gewesen sein dürfte. Hat 
man diesen vielleicht als Sohn Matfrieds II. anzusehen und in einer Filiationsfolge 
als Bindeglied zwischen diese beiden Generationen einzuschalten? Eine solche An¬ 
sicht läßt sich aus dem zugegebenermaßen spröden Stoff unserer Quellen nicht 
erhärten. Ein anderer Eindruck drängt sich auf. 
Graf Adalhard II. von Metz bzw. vom Moselgau45, um den es hier geht, ist be¬ 
zeugt zwischen den Jahren 872 und 889/90. In den Jahren 872 und 876 ist er 
Mitglied von Delegationen des ostfränkischen Königs an den westfränkischen 
Herrscher46. 8 73 führte er den jungen Karlmann, dem auf Geheiß seines eigenen 
Vaters König Karls d. K. im Westreich wegen Unbotmäßigkeit die Augen aus¬ 
gestochen worden waren und der aus der zusätzlichen Kerkerhaft mit Hilfe von 
Freunden hatte entfliehen können, dem Ostfrankenherrscher Ludwig d. D. zu47. 
Er besiegte im Jahre 880 die Unruhe hervorrufenden Anhänger Hugos48, des 
Friedeisohnes König Lothars II. und Waldradas, kämpfte aber 882 bei Remich 
an der mittleren Mosel unglücklich gegen die Normannen49. Gleichzeitig war er 
auch Laienabt von Echternach. Und das blieb er bis um 889/90; um diese Zeit, 
verschwindet sein Name aus den Echternacher Verzeichnissen und erscheint ein 
Graf Robert als sein Nachfolger50. 
44 Bei dieser Beobachtung drängt sich einem der Eindruck auf, daß die älteren For¬ 
scher die Postulierung eines Matfried III. vornehmlich betrieben, um die genealogische 
Verbindung zwischen den älteren Matfrieden und denen um 900 hersteilen zu können. 
45 Am 24. Juli 880 machte König Ludwig d. J. dem Kloster Fulda eine Schenkung in 
pago nuncupato Muselahgeuui in comitatu Adalhardi; MG DD Ludwig d. J. S. 356 f. 
nr. 17. Der Moselgau liegt um Metz. 
46 Ann. Bertin. ad 872 S. 119 und ad 876 S. 130; E. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. 
Reiches II2 S. 409; R. Parisot, Le royaume de Lorraine S. 413; C. Wam- 
pach, Gesch. d. Grundherrschaft Echternach 1,1 S. 180 ff. 
47 Ann. Bertin ad. 873 S. 123: factione . . . Hludowici Germaniae regis Karlomannus 
caecus per homines quondam suos, consentientibus duobus pseudomonachis, de Cor- 
beio monasterio sublatus et ad Hludowicum fuerit, cohibente ac interveniente Adal- 
ardo, in suam contrarietatem perductus. 
48 Ann. Fuldenses ad 880 S. 95; E. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches III2 
S. 144 f.; R. Parisot, a. a. O. S. 455. 
49 Regino, Chron. ad 882 S. 119; E. Dümmler, a. a. O. III2 S. 162 Anm. 2; 
R. Parisot, a. a. O. S. 461 Anm. 1. 
50 Catalogus abbatam Epternacensium, MG SS XXIII S. 31 und MG SS XIII S. 739 
und 741: Adelardus iunior comes successit ei sub nomine abbatis anno II. Luodovici 
filii Luodovici regis Germaniae, qui fuit filius Ludovici Pii, qui est annus incar- 
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