Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

auswertbaren Hinweisen zu Angaben über die politische Bedeutung zu beobach¬ 
ten. Matfried I. z. B., der seit 815 in der Umgebung Kaiser Ludwigs d. Fr. nach¬ 
weisbar ist17, gehörte von 817 an zu den einflußreichsten Persönlichkeiten bei 
Hofe18, wurde mit besonderen Missionen betraut und blieb auch so lange, wie der 
Kaiser an dem 817 beschlossenen Programm der auf Reichseinheit und die Nach¬ 
folge des ältesten Kaisersohnes Lothar I. bedachten Ordinatio imperii festhielt, 
ein treuer Helfer der Zentralgewalt19. Nachdem er aber 828, ebenso wie der 
Graf Hugo von Tours, wegen seiner Mißerfolge bei der Bekämpfung der Sara¬ 
zenen auf einem Reichstag zu Aachen seiner Lehen und Würden verlustig erklärt 
worden war, gehörte er zu den unversöhnlichsten Feinden Ludwigs. Als seit 
ebendieser Zeit auch die große Reichskrise über der Frage heraufzog, ob nicht 
auch Ludwigs d. Fr. nachgeborener Sohn, den seine zweite Frau, Judith, erst 
lange nach der Festlegung der Reichsordnung vom Jahre 817 zur Welt gebracht 
hatte, einen Anteil an der Herrschaft erhalten könne, da schlug er sich auf die 
Seite des ältesten Kaisersohnes Lothar I. Als maximus incentor omnium illorum 
malorum, die damals über das Frankenreich hereinbrachen, wurde er wegen seiner 
führenden Rolle in dieser Gruppe wegwerfend beschimpft20. So konnte es nicht 
ausbleiben, daß er, als Lothar sich 834 seinem Vater unterwarf und auf dessen 
Geheiß nach Italien abzuziehen hatte, jenem über die Alpen folgen mußte — 
ebenso wie auch eine Reihe anderer angesehener Grafen aus dem Anhänge Lothars 
wie z. B. Lothars Schwiegervater Graf Hugo von Tours, der Markgraf Lambert 
von Nantes, der ehemalige kaiserliche Obertürwart Graf Richard etc. Lothar 
hatte diese Leute für das, was sie in ihrer Heimat aufgaben bzw. im Kampf für 
seine Sache schon verloren hatten, angemessen zu entschädigen. Freilich konnte 
Matfried sich einer solchen Vergütung nicht lange erfreuen; schon 836 erlag er, 
wie viele andere Anhänger Lothars, einer verheerenden Fieberepidemie21. 
Zumal aber Lothar seine ihm nach Italien gefolgten Anhänger entschädigte und 
dort nachweislich mit Besitz ausstattete22 und zumal andererseits am 3. Januar 
17 Intervention in einer Urkunde Ludwigs d. Fr. für Gorze am 23. 3. 815; BM2 nr. 579; 
A. d’Herbomez, Cartulaire de Gorze S. 81 f. nr. 45: suggerente atque petente 
Madefrido fideli nostro. 
18 Vgl. besonders die diesbezüglichen Quellenzusammenstellungen bei E. Dümmler, 
Geschichte d. ostfränk. Reiches I1 S. 43 Anm. 3, und B. v. S i m s o n, Jahrbücher 
d. fränk. Reiches unter Ludwig d. Fr., 2 Bde. (1874 — 76), passim. 
19 Zu den politischen Einzelheiten, die in dieser genealogischen Studie nicht abgehandelt 
werden können, vgl. bes. B. v. S i m s o n , a. a. O. 
20 Thegan, Vita Hludovici c. 55, MG SS II S. 602. Vgl. auch Ann. Xantenses ad 834, 
MG SS. rer. Germ., ed. B. v. S i m s o n , (1909) S. 9: direxeruntque aciem contra 
Mabtfridum atque Landbertum, principes Lotharii consules, . . . 
21 Quellen bei E. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches I2 S. 119 Anm. 4. 
22 Vgl. MG DD Lothar I. S. 104 ff. nr. 29 und S. 121 ff. nr. 40, auch BM2 1045 c und 
E. Hlawitschka, Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien 
S. 55; desgleichen R. Parisot, Le royaume de Lorraine S. 185 mit Anm. 3. 
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