Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen (4)

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Wie aber sind die drei Verwandtengruppen sowohl untereinander, als auch mit 
der Familie des Pfalzgrafen Gottfried, die bei unseren Untersuchungen immer 
mehr in den Mittelpunkt gerückt ist, in Verbindung zu bringen? Lassen sich Mög¬ 
lichkeiten erkennen? Zwei Argumente sind es, die bei allen Bemühungen immer 
eine gewisse Rolle gespielt haben und deren Wert im einzelnen bei den weiteren 
Darlegungen auch zu beachten oder zu überprüfen ist. Es wurde stets als auffällig 
empfunden, daß einerseits die drei berühmten Geschwister Graf Gerhard, Graf 
Adalbert und Adelheid (Mutter Konrads II.) im beginnenden 11. Jahrhundert im 
Saarraum und in der Umgebung von Metz ihr Machtzentrum hatten und daß bei 
ihrer in Lothringen zum Herzogtum gelangenden Nachkommenschaft die Namen 
Gerhard und Adalbert eine gewichtige Rolle spielen, und daß andererseits bereits 
zu Beginn und bis in die Mitte des 10. Jahrhunderts hinein eine Familie im glei¬ 
chen Raum in führender Position stand, die den gleichen „Leitnamen“-Bestand 
auf weist: die Brüder Gerhard und Matfried mit dem Sohn des letzteren, dem 944 
erschlagenen Grafen Adalbert von Metz. Hier lagen also Zusammenhänge auf 
der Hand; diese erschienen manchem Bearbeiter sogar so stark, daß man hier 
eine Mannesstammnachfolge in der Grafschaft Metz von den älteren Matfriedin- 
gern zu den Lothringerherzögen annehmen zu dürfen glaubte. Als zweites Grund¬ 
argument kam hinzu, daß der Namenbestand dieser Matfriedingerfamilie auch 
in der unmittelbaren Vorfahrenschaft Papst Leos IX. auftaucht, daß aber vor 
allem der 1048 zum Herzog in Oberlothringen bestimmte Gerhard von dem um 
1112 gestorbenen Chronisten Sigebert von Gembloux den Beinamen de Alsatia 
erhielt143 145, was auch Sigeberts Fortsetzer und die flandrischen Genealogien für 
Gerhards Sohn Herzog Dietrich II. beibehielten146, ja, daß selbst bei Thietmar 
von Merseburg zum Jahre 1002 von einem Gerhardus comes Alsaciae die Rede 
143 Da die Abstammung aus königlichem Geblüt nach „Wiberts“ Vita Leonis ab ipsius 
atavis et supra herrührt, kann damit nicht die zu Beginn dieses Abschnittes ange¬ 
führte, von uns bis jetzt aber noch nicht näher festgelegte Verwandtschaft mit 
Kaiser Konrad II., dem ersten Salier, gemeint sein. Man kann diese Quellenstelle 
eigentlich nur auf die eben aufgezeigte Abstammung von Ludwig d. St. beziehen, 
die also durch die Mutter des Hugo raucus zustandekam. Auch über Wigerich, den 
Großvater des Hugo raucus, kann Leo IX. Träger eines karolingischen Blutsanteils 
gewesen sein, wenn man mit K. A. Eckhardt, Genealogische Funde zur all¬ 
gemeinen Geschichte (2. Aufl. 1963) S. 58 f., Wigerich als Enkel des mit einer 
Tochter Lothars I. vermählten Maasgaugrafen Giselbert ansieht. — Nach „Wiberts“ 
Vita Leonis muß Leo IX. aber auch noch über die Mutterseite Anteil an könig¬ 
lichem Geblüt gehabt haben. Hierzu vgl. oben S. 105 Anm. 114. 
145 MG SS VI S. 359: Ducatum eins (sc. Ädalberti) Gerardus de Alsatia, alterum vero 
ducatum Fridericus optinet. 
146 MG SS VI S. 381 zu 1128: Theodericus filius Theoderici ducis Alsatiae, nepos 
Rotberti comitis Flandriae; MG SS VI S. 457 zu 1128: Cui (sc. Wilhelmo) successit 
Theodericus, filius Theoderici ducis de Ellesath; MG SS VI S. 489 zu 1128: Succes¬ 
sit Willermo comiti Flandrensi Terri de Auseis. MG SS IX S. 307: nupsit . . . 
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