Full text: Parteien und Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920 - 1935

gaben allerdings auf die Dauer dem Verhältnis zu internationalen Institu¬ 
tionen eine skeptische Färbung45. Die leidenschaftlich kommentierten Be¬ 
richte über Äußerungen der französischen Rechtspresse und alle Ansätze 
französischer Propaganda an der Saar hielten die Kritik an Frankreich und 
dem Friedens vertrag wach46. 
Trotz des nationalen Programmes als Kernpunkt ihrer Arbeit und der oft 
leidenschaftlichen Sprache der „Saarbrücker Zeitung“ hielt die Deutsch- 
Saarländische Volkspartei während der ganzen Jahre bewußt Distanz gegen¬ 
über der Deutschnationalen Volkspartei der Saar und des Deutschen Reiches. 
Der Antrag der Deutschnationalen im Preußischen Landtag zur Saarfrage 
im Dezember 192847 und das Auftreten Hugenbergs an der Saar wurden bei 
aller grundsätzlichen Bejahung der geforderten nationalpolitischen Ziele ab¬ 
lehnend kommentiert. Es sei falsch, daß diese Herren die Saar gerettet hätten. 
„Tatsächlich waren damals alle Parteien — die sozialdemokratische nicht minder 
als die andern — deutschnational im wahren Sinne des Wortes. Dagegen hat man 
von den Deutschnationalen im Parteisinne erst sehr viel später etwas gehört. Die 
Zweckmäßigkeit dieser Parteigründung an der Saar ist doch wohl nur von den 
Politikern bejaht worden, deren Interesse vornehmlich den innenpolitischen Aus¬ 
einandersetzungen gilt.“ 48 
Der Kampf gegen die Deutschnationalen wurde von diesen so stark emp¬ 
funden, daß sie es bei Besprechungen über eine Sammlungsliste zur Landes¬ 
ratswahl 1932 ablehnten, mit der Deutsch-Saarländischen Volkspartei ein 
Wahlbündnis zu schließen, da diese sie immer aufs schärfste bekämpft habe49. 
Von einer Rechtsentwicklung versprach sich die Deutsch-Saarländische Volks¬ 
partei für die Saar keine Lösung und wandte sich auch gegen alle revolutio¬ 
nären Experimente in Deutschland. Der Gedanke an die Monarchie spielte 
in der Partei in all den Jahren keine Rolle. Im Parteiprogramm hatte man 
bei der Vereinigung mit den Demokraten festgelegt: „. . . bekennt sich die 
Deutsch-Saarländische Volkspartei zum einheitlichen Deutschen Reiche in 
jeder Staatsform!“50 Sie sah in der Erhaltung der Weimarer Republik 
gegenüber dem Druck von rechts und links und in der internationalen Zu¬ 
sammenarbeit die beste Voraussetzung für ein Wiedererstarken Deutsch¬ 
lands51. Im Wahlkampf von 1932 wandte die Partei sich immer wieder 
gegen die Nationalsozialisten, aber von einem selbständigen Beitrag zur 
innerdeutschen Auseinandersetzung kann man nicht sprechen. 
45 S.Z. Nh 67 v. 8. 3. 1932 „Aristide Briand“; der Artikel zum Tode Briands ist sehr 
zögernd in der Anerkennung von Briands Verdiensten und bezeichnet seinen Pan- 
europaplan als utopisch; außerdem Röchling, a. a. O., S. 103, ähnlich über Kelloggs 
Pläne; auch der Vorsitzende der DSVP Schmelzer über Briand und die sozialistischen 
Völkerbundspolitiker am 31. 3. 1927 im Landesrat, Sten. Ber. S. 19 f. 
46 Zu dieser Pressetätigkeit vgl. unten S. 218, Anm. 30. 
47 S.Z. Nr. 341 v. 14. 12. 1928. 
48 S.Z. Nr. 348 v. 21. 12. 1928, „Hugenberg in Saarbrücken“. 
49 S.L.Z. Nr. 58 v. 28. 2. 1932, „Auch im Saargebiet“; S.Z. Nr. 59 v. 29. 2. 1932, „Die 
Politik der Deutsch-Saarländischen Volkspartei“. 
50 S.Z. Nr. 19 v. 20. 1. 1924, „Im Kampf für das deutsche Saarland“. 
51 Ebenda, hier heißt es: „Sie verurteilt... jeden Versuch einer gewaltsamen Umwälzung 
der jetzt in Deutschland bestehenden Staatsform,...“. 
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