Full text: Parteien und Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920 - 1935

dem Funktionieren eines internationalen Systems gewann neue Bedeutung, 
In diesem Zusammenhang kann die Untersuchung des politischen Verhaltens 
und Denkens der Parteien eines Landes, dessen Geschicke mit zentralen euro¬ 
päischen Problemen der Zwischenkriegsepoche — Versailles, Völkerbund, 
Drittes Reich — verbunden waren, aufschlußreich sein. Im Ausgangspunkt 
von den politischen Parteien erhalten die Fragen nach dem Funktionieren 
des internationalen Verwaltungssystems, den Möglichkeiten einer deutsch- 
französischen Zusammenarbeit und der Bewährung des Völkerbundes neue 
Aspekte, da ihre Bedeutung für die politische Bewußtseinsbildung deutlich 
wird und umgekehrt die Abhängigkeit der großen Politik von Haltung und 
politischem Willen der Bevölkerung. 
Die Voraussetzungen zu einer solchen Untersuchung erwiesen sich in mehr¬ 
facher Hinsicht als günstig. Einmal blieben die Verhältnisse, da es sich um 
ein relativ kleines Land handelt, überschaubar, zum anderen ist das Quellen¬ 
material wegen der Rolle der Saar in der internationalen Politik so umfang¬ 
reich und vielseitig, daß es einer Verengung der Betrachtungsweise entgegen¬ 
steht. Die Verfasserin konnte im Archiv der Vereinten Nationen in Genf, 
im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn, im Bundesarchiv in 
Koblenz und im Bistumsarchiv in Trier umfangreiches, unveröffentlichtes 
Aktenmaterial einsehen und ist den Mitarbeitern dieser Archive, besonders 
aber dem ehemaligen Direktor des Archivs der UNO in Genf, Herrn 
Dr. Breycha-Veauthier, zu großem Dank für ihre Hilfe bei der Einsicht¬ 
nahme in das Material verpflichtet. Eine Erleichterung der Arbeit war auch, 
daß in der Bibliothek der UNO in Genf die internationalen Aktenpublika¬ 
tionen und die internationale Literatur eingesehen werden konnten. Auf 
diese Weise war es möglich, zum erstenmal einen Einblick in die Interna der 
Zusammenarbeit des Völkerbundssekretariats mit der Regierungskommis¬ 
sion und den Ratsmitgliedern14, in die Protokolle der Regierungskommis¬ 
sion 15, die Zusammenarbeit des Auswärtigen Amtes mit den Saarparteien16 
und den tatsächlichen Gang der deutsch-französischen Saarverhandlungen 
des Jahres 1929/3017 zu gewinnen. Für die offiziellen Akten des Völker¬ 
bundssekretariats und des Französischen Außenministeriums besteht die 50- 
Jahre-Klausel; die Einsichtnahme in die Saarakten der einzelnen Preußi¬ 
schen Ministerien, die im Zentralarchiv in Potsdam liegen, wurde der Ver¬ 
fasserin verweigert18. Das in Genf eingesehene Material und die umfang¬ 
reichen Aktenbände des Auswärtigen Amtes19 geben jedoch solch genaue 
Werk von H. Benedikt (Hrsg.), Geschichte der Republik Österreich, Wien 1954, 
ist in Teil II die Entwicklung der österreichischen Parteien ausführlich dargestellt. 
14 Bes. UNO-Archiv Genf: Société des Nations, Archives des Sections du Secrétariat, 
Section Politique, Sarre, Nr. 56 und Nr. 57. 
î5 Ebenda: Société des Nations: Commission du Gouvernement de la Sarre, Procès- 
verbaux, 1920—1935 (hektographiert). 
16 Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Bonn, bes. II Besetzte Gebiete, Saargebiet; 
Bildung eines Saarausschusses und Politische Parteien. 
17 Ebenda, Bde: Rückgliederung des Saargebietes. 
18 Brief des Zentralarchivs Potsdam an die Verfasserin v. 9. 1. 1962 / Az. 12.03/Dr. 
End./gr. 
19 Vgl. dazu das Quellenverzeichnis. 
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