Full text: Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

24 
Anliegen der französischen Raumordnung. Dabei spielt die Entwicklung städtischer Netze eine wesentli¬ 
che Rolle: „C'est donc à une véritable mise en commun, si possible en réseau, de toutes les ressources 
quii nous faut procéder, et cela à tous les niveaux géographiques. Cette mise en réseau permettra en 
tout point du territoire, l'accès à l'ensemble des ressources nationales et au ressources internationales 
rares. Elle devra accroître le nombre et la variété des moyens que peut mobiliser un territoire pour son 
développement. Elle évitera une multiplication des investissements, facilitant les économies d'échelle et 
la cohérence“ (DATAR 1994:44). Das Konzept sieht daher netzartige, polyzentrische Städtesysteme 
(systèmes polynucléaires) vor, die auch grenzüberschreitenden Charakter haben können (a.a.O.:52). 
Auch in der Schweiz wird spätestens seit dem Entwurf für eine naüonale RaumordnungsStrategie aus 
dem Jahre 1994 das Vernetzte Städtesystem Schweiz als neuer Leitgedanke diskuüert. Das Konzept 
profiüert von dem Fehlen eines dominanten städtischen Zentrums und der relativ homogenen Verteilung 
ähnlich großer Städte (im Nicht-Hochgebirgsbereich), die zudem bereits eine relativ klare Funktionstei¬ 
lung aufweisen (z.B. Bern = Regierungs- und Verwaltungssitz, Genf = internationale Kongreß- und 
Messestadt, Zürich = Finanz- und Wirtschaftszentrum etc.). Ferner stützt sich diese raumordnungs¬ 
politische Strategie auf ein bereits umgesetztes Schienenverkehrskonzept (Bahn 2000), das eine gleich¬ 
mäßige dezentrale Entwicklung der städtischen Räume begünstigt. (KUNZMANN 1994:1; RINGLI 
1996:11). 
In der deutschen Raumordnung wurde das Konzept der Städtenetze erstmals im Raumordnungspoli¬ 
tischen Orientierungsrahmen (ORA) aus dem Jahre 1993 als neue Leitvorstellung aufgegriffen und 
führte zu einer intensiven Fachdiskussion (s. S TIENS 1994:427ff.). Dabei herrschte weitestgehende Ei¬ 
nigkeit darüber, daß die „klassische Landesplanung mit ihrem Zentrale-Orte-System und Achsenkon¬ 
zept“ wichtig bleibe, „aber durch projektbezogene Formen regionaler und städtischer Kooperationen zu 
ergänzen“ sei (MEHWALD 1994:7). Zwei Jahre später erfolgte die Festschreibung dieses Leitbildes per 
Beschluß der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO). In dem von ihr am 8. Mai 1995 in Düssel¬ 
dorf beschlossenen Raumordnungspolitischen Handlungsrahmen heißt es hierzu: „Städtenetze tragen 
wesentlich zur Umsetzung raumordnerischer Ziele bei. Die Schlüsselfunktion kommt dabei den Kom¬ 
munen und der zwischengemeindlichen Zusammenarbeit zu: Angesichts der wachsenden räumlichen 
Verflechtungen und der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte sind interkommunale Koopera¬ 
tionen auch unter dem Aspekt der Kostenreduktion und Effizienzsteigerung sowie eines verbesserten 
Ressourcenschutzes anzustreben“ (BMBAU 1995a: 13). 
Die MKRO betont zwar die „nach wie vor tragende Rolle der Regionalplanung und des Zentrale- 
Orte-Systems“, hält „zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben [...] jedoch ergänzend dazu eine fle¬ 
xiblere und umsetzungsorientierte Vorgehensweise“ für erforderlich. Der „Aufbau der Städtenetze“ 
stelle „ein solches dynamisches Element dar“ (a.a.O.). Ähnlich wie Drewe (s.o.) sieht auch die MKRO 
einen Grundkonsens der Akteure als elementare Voraussetzung für den Aufbau bzw. die Förderung 
dieser Strukturen an: „Die Freiwilligkeit der Zusammenarbeit in Städtenetzen ist dabei das ausschlagge¬ 
bende Charakteristikum, die Akzeptanz auf kommunaler Ebene unabdingbar“1 (a.a.O.). 
Die Benelux-Wirtschaftsunion legte 1996 unter dem Titel „Raum für Zusammenarbeit“ ihre zweite 
Strukturskizze vor, die sich einerseits Problemen in den Politikbereichen Umwelt, Verkehr und Sied¬ 
lungsentwicklung widmet, andererseits dem fortschreitenden europäischen Vereinigungsprozeß Rech¬ 
nung trägt. Die dargestellten Raumentwicklungsszenarien stützen sich auf bestehende bzw. zu fördernde 
städtische Vernetzungen, die die Abgrenzung regionaler Teilräume ermöglicht. Darüber hinaus ist von 
„engmaschigen Hauptverbindungen“ die Rede, die den Austausch und die Mobilität zwischen diesen 
Teilräumen gewährleisten sollen (BENELUX 1996:12ff.). 
Der informelle Rat der europäischen Raumordnungsminister trat 1994 mit seinen Grundlagen einer 
europäischen Raumordnungspolitik (BMBAU 1995b) einmal mehr den Versuch an, auch ohne ein di¬ 
rektes Mandat der Mitgliedstaaten der EU die groben Leitlinien einer europäischen Raumordnungspoli¬ 
tik auszuarbeiten. In ähnlicher Weise entstand 1983 mit der Europäischen Raumordnungscharta (ILS 
1984) ein erstes Raumordnungsdokument der EU, das jedoch keinerlei Verbindlichkeiten für die Unter¬ 
zeichnerstaaten mit sich brachte. Auch die folgenden Dokumente Europa 2000 und Europa 2000+
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.