Full text: Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

21 
auf naturdeterministische, (geo-)politisch vielfach mißbrauchte Leitbilder versteht, sondern die Analyse 
der natürlichen Ressourcen, die einen Grenzraum und seine Einwohner prägen (z.B. Grenzflüsse und 
ihre Einzugsgebiete, s. Kap. 6). 
1.3.2 Das raumordnerische Leitbild der Städtenetze 
Ein wichtiges Anliegen jeder geographischen Betrachtung von Grenzräumen muß es sein, die aktuel¬ 
len Leitbilder der nationalen bzw. regionalen Raumordnung aufzugreifen und auf ihre, salopp formu¬ 
liert, „grenzüberschreitende Tauglichkeit“ zu überprüfen. Mit anderen Worten: In Ermangelung einer 
echten europäischen Raumordnungskompetenz (s.u.) stützt sich die Raumordnung auch in einem zu¬ 
sammenwachsenden Europa mit stark abgeschwächten Grenzen überwiegend auf nationale Konzepte 
und Leitbilder. Diese müssen sich zwar nicht grundsätzlich widersprechen und für die europäische Pla¬ 
nung hinderlich sein, wurden aber im nationalen Maßstab entwickelt und müssen daher ihre Übertrag¬ 
barkeit unter Beweis stellen. 
Dabei erscheint vor allem das Konzept der „Städtenetze“ im Hinblick auf eine grenzüberschreitende 
Fragestellung besonders interessant. Es handelt sich dabei um ein in der Bundesrepublik noch relativ 
junges Entwicklungs- und Ordnungsmodell, das auf dem klassischen Modell der zentralen Orte und 
ihrer Versorgungsbereiche nach CHRISTALLER (1933) basiert. CHRISTALLER erfaßte jedoch noch nicht 
die Vielfalt der Beziehungen zwischen den von ihm hierarchisierten Orte: „However, central place theo- 
ry did not consider the emerging role of functions and interactions across complex networks“ (Weberg 
1993:136). Sein Modell scheint deshalb dahingehend erweiterungsfähig, daß nicht mehr eine zentrali- 
räAbedingte Hierarchie Leitbild siedlungsstruktureller Ordnung ist, sondern ein eher horizontales Be¬ 
ziehungsgeflecht miteinander vernetzter Städte / zentraler Orte in den Mittelpunkt des Interesses rückt. 
Gleichwohl erhebt das Leitbild der Städtenetze nicht den Anspruch, das System der Zentralen Orte 
gänzlich zu verdrängen. Es ergänzt dieses lediglich um funktional orientierte Interaktionsmuster, die von 
den standardisierten Verwaltungs- und Verfahrenshierarchien abweichen, sofern der gesetzliche Rahmen 
den kommunalen Akteuren entsprechende Spielräume gewährt (Adam 1994a; DREWE 1994; KRAUTZ- 
BERGER 1994; MEHWALD 1994; PRIEBS 1996; STEINBACH 1995; STTENS 1994,1995). 
Zentrale-Orte-Konzept Konzept der Städtenetze 
| = Oberzentrum CH = Mittelzentrum - = Bezugsachse 
Entwurf + Darstellung: Christian SCHULZ (1997) 
Abb. 2: Wandel vom Konzept der Zentralen Orte zum Konzept der Städtenetze
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.