Full text: Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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sehr viel eher für eine partnerschaftliche grenzüberschreitende Bearbeitung als politisch proble-
matischere Bereiche. Die Verhandlungen über eine gemeinsame Erschließung und Vermarktung von
Gewerbeflächen (Stichwort: Aufteilung der Gewerbesteuern) oder das Übereinkommen in Fragen des
Umweltschutzes gestalten sich naturgemäß schwieriger als beispielsweise die Entwicklung einer von
mehreren Gemeinden getragenen Marketingstrategie zur Belebung des Fremdenverkehrs oder die ge-
meinsame Ausrichtung kultureller Veranstaltungen. Prinzipiell spiegelt sich hier dieselbe Problematik
wider, die auch aus der interkommunalen Kooperation im nationalen Rahmen hinlänglich bekannt ist
(vgl. BOURJOL 1993; MABILEAU 1996).
Die Gewichtung der in den Fallbeispielen Vorgefundenen Kooperationsbereiche berücksichtigt primär
Kriterien wie das politische Konfliktpotential des jeweiligen Sektors, die Verbindlichkeit, die sachliche
wie zeitliche Reichweite der Kooperation sowie die finanzielle Dimension der Projekte. Zur qualitativen
Klassifizierung soll im weiteren eine dreistufige Einteilung Verwendung finden, die mit den Attributen
weich, mittelhart und hart arbeitet.
Eher weiche Formen der Kooperation stellen demnach, wie schon erwähnt, die Bereiche Tourismus
sowie Kultur, Bildung und Sport dar. In der Regel schwieriger gestaltet sich die Abstimmung in den
Bereichen Ver- und Entsorgung, Verkehrsinfrastruktur und ÖPNV, was primär auf die meist hohe Fi-
nanzwirksamkeit der Maßnahmen (z.B. Bau einer Kläranlage oder einer Brücke) in diesem Bereich
zurückzuführen ist. Sie werden hier als mittelhart bezeichnet, da sie normalerweise nicht das Konflikt-
potential und damit nicht den politischen Abstimmungsbedarf implizieren, wie die harten Formen der
Kooperation, so beispielsweise die Erschließung von Gewerbeflächen, die gemeinsame Siedlungsent-
wicklungsplanung oder verschiedene Maßnahmen im Bereich des grenzüberschreitenden Umweltschut-
zes (s. Tab. 9).
Tab. 9: Qualitative Klassifizierung der Kooperationsbereiche
Form der Kooperation	Themen
weich	•	Tourismus •	Kultur, Bildung, Sport
mittelhart	•	Ver- und Entsorgung •	Verkehrsinffastruktur/ÖPNV
hart	•	Gewerbeflächen/Wirtschaftsförderung •	Siedlungsentwicklung •	Umwelt- u. Naturschutz
Die vorgestellte Klassifizierung muß sich den Vorwurf gefallen lassen, sehr pauschalisierend vorzu-
gehen und damit in Einzelfällen arbiträr bzw. nicht immer nachvollziehbar zu wirken. Sie darf deshalb
auch nicht als definitive, sondern muß als tendenzielle Bewertung verstanden werden, deren Kategorien
offen bleiben und Ausnahmen zulassen. So kann etwa der hier als weich eingestufte Bildungssektor in
vielen Fällen sehr wohl auch zu den harten, weil sehr umstrittenen Kooperationsbereichen zählen. Erin-
nert sei in diesem Zusammenhang an die französischen zentralistischen Souveränitätsinteressen im Zu-
sammenhang mit der Lehrplangestaltung und hier insbesondere Fragen des (Fremd-)Sprachen-
unterrichts. Die sogenannte Voie spécifique mosellane, die im Departement Moselle angesichts seiner
Grenzlage und seiner in Teilen germanophonen Sprachtradition die Möglichkeit eröffnet, in Kindergär-
ten und Grundschulen das Erlernen der deutschen Sprache besonders zu fördern, hat eine lange politi-
sche Vorgeschichte (s. PRÉFECTURE DE LA RÉGION LORRAINE 1994:36ff.). Demgegenüber kann durch-
aus der Fall eintreten, daß sich Projekte im Bereich des Umweltschutzes, beispielsweise die Ausweisung
eines grenzüberschreitenden Naturschutzgebietes in einem dünnbesiedelten Raum, aus einem gemeinsa-
men Interesse resultieren und als politisch und finanziell unproblematisch herausstellen, weshalb sie sich
	        

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