Full text: Das Mainzer Zunftwesen und die französische Herrschaft

11 
den staatlichen Einkünften und fährt dann fort:22) „Das übrige 
Drittheil ging durch die Hofhaltungen, durch Aufmunterung 
der Künste und die Verschönerung der Städte mit froher Aus¬ 
gabe wieder unter das Volk. Zu diesem Geldumlauf muss man 
noch die beträchtlichen Einkünfte der Geistlichkeit und des 
Adels setzen, wovon ein grosser Theil, aus fremden Ländern 
kommend, am Rhein verzehrt wurde, und den Geldkisten der 
Kaufleute, den Werkstätten der Künstler oder Handwerker und 
den Sparbüchsen der Bauern reichlich zufloss.“ 
Auch Weitzel kommt zu dem gleichen Urteil. Er 
schreibt: „Ein fröhliches Wohlleben war allgemein verbreitet, 
und die angeborne Offenheit und das sorgenlose Wesen des 
Rheinländers, wie die herrliche Natur, die ihn umgibt, unter¬ 
hielten eine rege Bewegung in Lust und Freude. Dem Bürger 
war es leicht, sich und die Seinigen ohne besondere Anstren¬ 
gung zu nähren. Der Hof, der Adel, die zahlreiche Geistlich¬ 
keit, die es sich alle bequem und angenehm zu machen wussten, 
die verschiedenen Collégien der Verwaltung, die Universität 
und das Militair setzten ein schönes Geld in Umlauf und gaben 
Jedem, der beschäftigt seyn wollte, ein gemächtliches Aus¬ 
kommen. Überdies war die Stadt von vielen Lasten frei, die 
auf dem Lande lagen, und die Einwohner durften sich wahr¬ 
haftig nicht über Druck beschweren.“22) 
Der Wohlstand des Handwerkers offenbarte sich in 
seiner Lebensweise. Darüber sagt Niklas Vogt: „Der Hand¬ 
werker hatte täglich Suppe, Gemüs, Fleisch und einen Schop¬ 
pen Bier auf seinem Tische. Auf Sonn- und Feiertagen auch 
einen Braten, zuweilen auch Wein. Auf Ostern, Pfingsten 
und Weihnachten, bei Hochzeiten und Kindbetten waren bei 
Reichern die Schmause oft köstlich und der Wein nicht ge¬ 
spart. Nebstdem bekamen die Gesellen, wenn die Arbeit bei 
Licht anging, auch sog. Lichtbraten. Ihre Wohnungen waren 
nach dem Handwerke eingerichtet, von Stein und mit Schiefer 
bedeckt. Wohlhabende Meister hatten auch eine besonders 
gezierte Stube, welche man die Staatsstube nannte. Ihre 
Kleidung war etwas schöner und köstlicher als jene der 
Bauern. Die Weiber und Mädchen näherten sich oft in ihrem 
Putze dem Handelsstande.“24) 
Dieser Einheitlichkeit der Urteile steht Klein25) gegen¬ 
über, der das Vorhandensein eines „blühenden Handels“ und 
eines „tätigen Gewerbefleisses“ verneint. Seine Behauptung 
sucht er zweifach zu belegen. Einmal mit dem Untergange 
f) Vogt: Rheinische Sagen und Geschichten Bd. 4 S. 19,5. 
■1,!) Weitzel: Das Merkwürdigste aus meinem Leben Bd. 1 S. 115. 
Vogt: Rheinische Sagen Bd. 4 S. 198. 
L'5) Klein: Geschichte S. 6 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.