Full text: Logik

Einleitung 
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Hilfe nehmen, wenn sie die Denkvorgänge im seelischen Leben des Menschen 
wirklich zureichend erkennen will. 
Die Logik ist also nicht die Lehre vom Denken, sondern die Wissenschaft 
von den Gedanken, speziell von den behauptenden Gedanken. Sie hat die 
Aufgabe, das Wesen der Gedanken, ihre letzten Elemente, ihren Aufbau, 
die verschiedenen Arten der Gedanken und die Zusammenhänge und Ver¬ 
hältnisse der Gedanken zueinander zu erkennen. Sie ist daher weder ein Teil 
der Psychologie, noch bedarf sie der Psychologie zu ihrer Begründung. Sie 
ist eine der Psychologie gegenüber völlig selbständige Wissenschaft. 
Die Logik ist keine praktische Wissenschaft, denn sie sagt weder, was man 
tun oder machen soll, noch wie man etwas tun oder machen kann, sondern 
sie gibt eine Erkenntnis jener eigenartigen Welt der Gedanken. Sie ist also 
eine theoretische Wissenschaft von den Gedanken. 
Die Logik ist auch keine Normwissenschaft in dem Sinne einer Sammlung 
von Geboten oder Verboten, d. h. eines Imperativensystems. Sie ist auch keine 
Normwissenschaft im Sinne einer Darstellung von Idealen. Nur wenn man 
unter Normen weder Gebote noch Ideale, sondern Maßstäbe der Beurteilung 
oder der Bewertung versteht, kann man die Logik mit Recht eine Norm- 
wissenschaft nennen, denn ihre Resultate können allerdings zur Bewertung 
von Gedanken und Gedankenzusammenhängen dienen. Dies bestimmt aber 
nicht den Charakter der Logik selbst, die vielmehr trotzdem eine »Tat¬ 
sachenwissenschaft« bleibt, nur eben eine solche von Gedankentatsachen. Es 
ist der Logik, wie jeder anderen Wissenschaft, äußerlich, daß sie oder ihre 
Ergebnisse als normierende Maßstäbe gebraucht werden können. 
4. Logik und Erkenntnislehre 
Die Logik wird häufig mit der Erkenntnislehre verwechselt oder wenig¬ 
stens mit ihr vereint. Besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts herrschte 
große Unklarheit über das Verhältnis der Logik zur Erkenntnislehre. Die 
Logik ist aber nicht nur als allgemeine Gedankenlehre, sondern auch in 
ihrer traditionellen Form, nämlich als Wissenschaft von den Urteilen, den 
Begriffen und den Schlüssen, von der Erkenntnislehre verschieden. Der 
Unterschied ergibt sich aus folgender kurzen Überlegung. Die Erkenntnis - 
lehre ist zugestandenermaßen die Wissenschaft von der Erkenntnis. Sie hat 
die Aufgabe, das Wesen der Erkenntnis überhaupt, die Elemente und den 
Aufbau der Erkenntnis, ihre verschiedenen Arten, ihre letzten zureichenden 
Grundlagen, ihre Methoden und ihre Grenzen zu erforschen. Nun besteht
	        

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