Full text: Logik

Einleitung 
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kommen immer nur die Gedanken als solche in Betracht, gleichgültig, in 
welcher Weise sie gedacht werden. 
Das Denken umfaßt aber nicht nur das Vollziehen einzelner Gedanken, 
sondern auch das Schließen oder Folgern. Und auch dieses kann in sehr ver¬ 
schiedener Weise, analog den oben angegebenen, nämlich in naiver, oder in 
kritisch-forschender Gegenstandsuntersuchung, oder in reflektiv-logischer 
Gedankenuntersuchung geschehen. Ebenso ließen sich noch andere Weisen 
des denkenden Vollzugs von Schlüssen oder Folgerungen konstatieren. Doch 
da auch die Schlüsse oder Folgerungen als eigentümliche Gedankenverbin¬ 
dungen von all diesen besonderen Weisen ihres denkenden Vollzogenwerdens 
in ihrem Wesen unberührt bleiben, so kann die Logik der Schlüsse von der 
Untersuchung der Art und Weise, wie sie denkend vollzogen werden, völlig 
absehen. Der Logiker selbst muß freilich eine bestimmte Weise ihres Voll¬ 
zuges ausführen, aber eben nur ausführen, nicht zum Gegenstand seiner 
Untersuchung machen. 
Die Möglichkeit, Gedanken selbständig zum Gegenstand einer Wissen¬ 
schaft zu machen, beruht zunächst darauf, daß die Gedanken von dem Den¬ 
ken verschieden sind. Während das Denken ein realer, zeitlicher Vorgang ist, 
der jeweilig nur einem einzigen denkenden Subjekt angehört, sind die Ge¬ 
danken keine realen, zeitlichen Vorgänge, sondern ideelle, in sich zeitlose 
Gebilde. Alles, was man von den Gedanken mit Recht behaupten kann, daß 
sie nämlich sprachlich formuliert, ausgesprochen, mitgeteilt, dargelegt, 
niedergelegt, niedergeschrieben, aufgesammelt und geordnet werden kön¬ 
nen, hat in bezug auf das Denken keinen rechten Sinn. Das Denken kann 
man nicht niederlegen, aufsammeln und ordnen. Ebenso kann man zwar 
Gedanken, aber nicht das Denken aufnehmen, sich klarmachen, durchdenken, 
prüfen, einsehen und sich aneignen. Auch läßt sich das Denken nicht be¬ 
gründen, beweisen oder widerlegen, wohl aber kann man Gedanken begrün¬ 
den, beweisen oder widerlegen. 
Auf die Verschiedenheit der Gedanken von dem Denken weist außerdem 
die Tatsache hin, daß in zusammenhangslosem Denken eines und desselben, 
oder auch verschiedener, Individuen Gedanken gedacht werden können, die 
in engem Zusammenhang stehen, wie auch umgekehrt in einem zusammen¬ 
hängenden Denken gänzlich zusammenhangslose Gedanken gedacht werden 
können. Es ist daher auch nicht zu verwundern, daß der Widerspruch zwi¬ 
schen Gedanken ohne jeden Widerstreit desjenigen Denkens, in welchem sie 
gedacht werden, Vorkommen kann. »Zwei Seelen und ein Gedanke«, d. h. ein 
und derselbe Gedanke in numerisch und qualitativ verschiedenen Denkarten
	        

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