Full text: Logik

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Einleitung 
horchen der Schwerpunkt in die Gedanken selbst verlegt wird, ist die Stufe 
des eigentlich logischen Denkens erreicht. Dieses logische Denken ist ge¬ 
wöhnlich nicht nur durch die notwendige Nebenbeachtung der Gegenstände 
des Denkens gestützt, sondern hält sich zugleich an den sprachlichen Aus¬ 
drücken fest, darf aber nicht an diesen haften bleiben, sondern muß sich in 
die dünne und zunächst dunkle Atmosphäre der Gedanken selbst begeben, 
um sich hier verweilend festzusetzen. 
Diese verschiedenen Weisen, die Gedanken zu denken, ändern an dem 
Gehalt der Gedanken nichts. Vielmehr kann ein und derselbe Gedanke in 
diesen verschiedenen Weisen gedacht werden. Nur wird oft der Gedanke beim 
naiv-expressionistischen Denken dem ungewohnten Zurückgreifen ganz oder 
teilweise entschwinden und ihm zuweilen nur sein leeres sprachliches Kleid 
in Händen lassen. Übung jedoch wird dem logischen Rückgriff die Beute 
sichern und durch Entkleidung von den sprachlichen Formen den unverletz¬ 
ten Gedankenleib darbieten. Dieser logische Rückgriff auf die gedachten 
Gedanken wird nicht notwendig in zeitlicher Folge dem Denken der Ge¬ 
danken erst nacheilen, sondern schließlich in wachsamer Darüberlagerung 
das Denken der Gedanken von vornherein begleiten und schon bei der Geburt 
der Gedanken anwesend sein können. 
Zur logischen Untersuchung freilich muß sich auf alles dieses nun noch 
ein zweites Denken aufbauen, ohne daß das erstere verweht. Es müssen Akte 
der Vergleichung, der Unterscheidung, der Erfassung des Gemeinsamen und 
des Verschiedenen, der Zerlegung, der Wegnahme und Hinzufügung von 
Elementen — dies letztere allerdings mit gleichzeitiger Ingangsetzung der 
unterbauenden Akte — stattfinden, um über das bloße logische Schauen der 
Gedanken zu Erkenntnissen über sie zu gelangen. Die Schwierigkeit des logi¬ 
schen Zurückgreifens, das ungewohnte Arbeiten mit den dünnen feinen 
Fäden der Gedankengespinste machen das logische Denken und Forschen für 
die meisten Menschen zu der so überaus ermüdenden und unfruchtbaren 
Tätigkeit, der sie wohl mit scheuem Respekt, zugleich aber mit gehässiger 
Entwertung gegenüberstehen. 
Noch andere Weisen, Gedanken zu denken, lassen sich feststellen, kommen 
aber für die Logik weniger in Betracht. So können z. B. Gedanken anderer 
Menschen durch sprachliche Mitteilung auf genommen und gedacht werden, 
ohne daß man sie sich zu eigen macht., indem man etwa Urteile bloß mit¬ 
denkt, ohne zugleich von sich aus in gleichem oder entgegengesetztem Sinne 
zu urteilen. Oder man denkt »in Gedanken« das, was einem ein anderer 
sagen und was man ihm darauf antworten würde. Indessen für die Logik
	        

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