Full text: Logik

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Einleitung 
Das Denken kann nun Gedanken produzieren, ohne daß sie zugleich in 
irgendeiner sprachlichen Form ausgedrückt, niedergelegt, kundgegeben oder 
formuliert werden. Die Gedanken sind in ihrem Sein durchaus nicht not¬ 
wendig an sprachliche Ausdrücke gebunden. Es gibt tatsächlich in jedes 
Menschen Denken ein stummes oder stilles Denken, das weder in äußerem 
noch in innerem Sprechen seinen Ausdruck findet. Die sprachliche Formu¬ 
lierung eines Gedankens tritt in vielen Fällen erst dann ein, wenn der zu 
formulierende Gedanke in einer eigentümlich totalen Weise schon gedacht 
und zugleich weiter festgehalten wird, während die sprachliche Formulie¬ 
rung dann sukzessive in der Zeit vollzogen wird. Auch in denjenigen Fällen, 
in denen das Denken von vornherein von einem inneren Sprechen begleitet 
ist, werden doch die gedachten Gedanken nur selten voll und ganz sprachlich 
eingekleidet, sondern bleiben zum großen Teil unausgedrückt. Der im ein¬ 
samen Denken ausgesponnene Gedankenfaden ist daher meistens nicht in 
seiner ganzen Länge, sondern nur hier und da schlackenartig mit Sprach- 
material besetzt. Schließlich ist sogar da, wo im mitteilenden Denken voll¬ 
ständige sprachliche Sätze mündlich oder schriftlich gebildet werden, doch 
der gedachte Gedankengehalt nicht restlos in diesen Sätzen ausgedrückt; er 
muß daher von dem Hörer oder Leser nach seinem unausgedrückten Be¬ 
stände glücklich erraten werden, wenn er ganz von ihnen aufgenommen 
werden soll. Sowenig nun die Gedanken überhaupt notwendig an einen 
sprachlichen Ausdruck gebunden sind, sowenig ist ein bestimmter Gedanke 
an einen bestimmten sprachlichen Ausdruck gekettet. Vielmehr kann ein 
und derselbe Gedanke nicht nur in derselben Sprache in verschiedenen 
sprachlichen Formen, sondern auch in ganz verschiedenen Sprachen mehr 
oder weniger genau ausgedrückt werden. Die Gedanken haben also gegen¬ 
über den sprachlichen Formen eine größere oder geringere Wahlfreiheit. 
Andererseits brauchen nun auch die sprachlichen Gebilde nicht notwendig 
Gedankengehalt zu haben. Sprachlaute können rein für sich produziert oder 
aufgenommen werden, ohne daß Gedanken mit ihnen verbunden werden. 
Ebenso kann man ganz gedankenlos Schriftzeichen produzieren oder lesend 
aufnehmen. Die Sprachzeichen mögen dabei an sich einen Sinn haben oder 
ganz und gar sinnleer sein. 
Aus diesen Verhältnissen ist deutlich ersichtlich, daß die Gedanken von 
den sprachlichen Ausdrücken verschieden sind und auch dann von ihnen 
unterschieden werden müssen, wenn die Gedanken in einer sie völlig be¬ 
deckenden sprachlichen Einkleidung auftreten. 
Die Ausdrucksbeziehung, die zwischen den Gedanken und bestimmten
	        

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