Full text: Grundlegung der Dialektik

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VI. Die Dialektik der Metaphysik 
jener kritischen Überlegung heraus erfolgt, die die Grenzen zwischen 
philosophisch-wissenschaftlichen und objektiv-gültigen Einsichten 
auf der einen und dem religiösen Glauben und seinen Phantasie¬ 
schöpfungen auf der anderen Seite nicht verwischt sehen möchte? 
In der Tat: Jener ganze Kampf ist nichts weniger als die Folge 
einer beliebigen Stimmung. Sein Gewicht kommt in seinem Alter 
und in dem Verantwortlichkeitsgefühl, mit dem er doch nicht selten 
geführt wird, zu nachhaltigem Ausdruck. Er ist notwendig und be¬ 
rechtigt, weil der Mensch zur Kritik berechtigt ist, und weil diese 
Kritik zu jenen unerläßlichen Aufgaben gehört, die sich für ihn 
ebenso aus theoretischen und wissenschaftlichen, wie aus morali¬ 
schen und weltanschaulichen Beweggründen ergeben. 
Und schließlich ist auch in ihm jene „List der Vernunft“ wirk¬ 
sam, die nach Hegel eine der großen schöpferischen Kräfte der 
geschichtlichen Entwicklung darstellt. Dieser Kampf trägt nämlich 
in sich eine gegen ihn selber sich wendende Teleologie, die dahin 
führt, daß die Idee der Metaphysik und die Autonomie und die 
Apriorität dieser Idee gerade durch ihn, d. h. durch die Auseinander¬ 
setzung mit den Einwänden, tiefer begründet und schärfer klar¬ 
gestellt werden können. Um diesen sowohl an sich als auch für 
unsere besondere Absicht entscheidend wichtigen Zweck zu er¬ 
reichen, war es zunächst geboten, die Haupttypen der Einwände 
kennenzulernen und sie einer charakterologischen Schilderung zu 
unterwerfen. 
b. 
Diese Einwände lassen sich in bestimmte Formen gliedern und 
zusammenfassen. 
Die wesentlichste Gruppe der Einwände ist die, die grundsätz¬ 
lich die Möglichkeit und die Voraussetzungen aller und jeder Meta¬ 
physik bestreitet. Sie richtet sich gegen das Recht der Metaphysik 
überhaupt und beantwortet die Frage „Wie ist Metaphysik über¬ 
haupt möglich?“ in prinzipiell ablehnendem Sinne. 
Dieser Gruppe stehen diejenigen Abweisungen der Metaphysik 
nahe, die in ihr in der Hauptsache nichts anderes als das subjek¬ 
tive Spiel künstlerischer und nur subjektiv-gültiger Einbildungen 
und Überzeugungen erblicken, ihr jedoch jede objektiv-wissenschaft¬ 
liche und wissenschaftlich-objektive Geltung absprechen. Diese 
zweite Gruppe von Einwänden ist darum nicht weniger radikal als 
die erstgenannte, weil sie die Gültigkeit der Metaphysik in einen
	        

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