Full text: Grundlegung der Dialektik

3. Der Urgrund des dialektischen Problems 285 
quenzen dieser idealistischen Grundbedingungen gewahrten und 
betonten. 
Der Siegeszug der modernen Wissenschaft ist in erster Reihe 
durch die unvergleichliche Rücksichtslosigkeit und Gewalttätigkeit 
möglich geworden, mit der das Denken die Natur zu beherrschen 
lernte; er ist möglich geworden durch die ungeheuere intellektuelle 
Geschicklichkeit und Verschlagenheit, die sich in der ebenso raffi¬ 
nierten wie heroischen Ausnutzung der Naturkräfte bekundet. 
Ohne Zweifel waltet ein enger, nur noch nicht hinlänglich durch¬ 
schauter, ganz dialektischer Zusammenhang zwischen dem Idealis¬ 
mus, der sich seit dem Beginn der Neuzeit in der Philosophie, und 
zwar sowohl in der Erkenntnistheorie als in der Metaphysik, und 
in der Wissenschaft ausbildete, auf der einen Seite und den Er¬ 
folgen auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Technik, des Handels 
und der allgemeinen Einstellung des modernen Menschen zur Wirk¬ 
lichkeit auf der anderen Seite. 
Ein Hinweis auf das Wesen der modernen Maschine mag 
genügen, um die Behauptung zu stützen, daß zwischen Idealismus 
und Realismus die denkbar strengste Verbundenheit herrscht. 
Denn der Idealismus ist nicht bloße Theorie; der Realismus nicht 
bloß Ausdruck der Praxis. In der Schaffung und in dem Gebrauch 
der Maschine offenbart sich die Innigkeit, mit der die dialektische 
und paradoxe Paarung von Idealismus und Realismus erfolgt. Ist 
es zuviel gesagt, wenn ich die Behauptung wage, daß die Maschine 
eineder großartigsten Verkörperungen der Dialektik,daß 
auch sie eine Fleisch und Blut gewordene Dialektik ist? 
Sie ist von der Freiheit und Spontaneität des Denkens erzeugt, 
allerdings und ganz gewiß von einer Freiheit, die in ihrer Betätigung 
streng nach dem Prinzip der Gesetzmäßigkeit verläuft. Immer aber 
ist es doch die Gesetzmäßigkeit der Freiheit, immer ist es doch eine 
dem Schöpfungsakt nach freie, vernünftige, sich nur nach ihrer 
eigenen Logik und Dynamik richtende Gesetzmäßigkeit. Eine 
Gesetzmäßigkeit, die ihrem Wesen und Sinn nach rein autonom, 
rein vernünftig, rein ideell, losgelöst von jeder irdischen Abge- 
zwecktheit und jeder unmittelbaren Nutzanwendung ist. Ihre 
Logik ist die Logik des Geistes, die sich aus der Vernunft des Geistes 
heraus begründet, entfaltet und regelt. Es ist vielleicht die höchste 
Form des Spieles, der als Leitgedanke, als Leitmotiv und als Ziel¬ 
punkt nichts anderes dient als die Logik der Idee, d. h. die Logik 
einer Notwendigkeit von rein geistiger Bestimmtheit, sei das eine
	        
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