Full text: Grundlegung der Dialektik

4. Kritik dieser Einwände 
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gestalten, auch der wissenschaftlichen, wirkt diese Problematik der 
Metaphysik als eine schlechthin notwendige Bedingung ihrer Ent¬ 
stehung und ihres Hervortretens aus dem schöpferischen Urgrund 
der Dialektik des Logos. Die Problematik der Metaphysik und die 
Metaphysik des Problems haben den Geltungswert von Aprioritäten 
für alle Erscheinungen, für alle Werte und Werke der Kultur. 
Sollte sich nun darin, objektiv gesehen, nicht doch eine gewisse 
Überlegenheit der Metaphysik aussprechen? Welche andere Gestalt 
des Geistes kann mit ihr in bezug auf diese grundlegende apriorische 
Funktion in Wettbewerb treten? Ist nicht sogar die unvergleich¬ 
liche Macht der Religion durch diese Apriorität der Metaphysik 
unterbaut? Wie wäre die Religion möglich und wozu nötig, wenn 
die Einheit des Geistes nicht zu dialektischer Entzweiung käme, 
wenn die ewige Harmonie des Seins nicht einmal dem fruchtbaren 
Schicksal des Konfliktes, der gebotenen Dissonanz in Schuld und 
Sünde verfiele, und wenn daraus nicht die Sehnsucht nach heilender 
Erlösung hervorwachsen würde? Es gehört zu den niemals zu tilgen¬ 
den Paradoxien der Religion, daß das Heil, zu dem sie führen will, 
und das sie uns in tröstender Vorstellung aufleuchten läßt, zu seiner 
Möglichkeit und zur Erfüllung seiner in ihm ruhenden Aufgabe doch 
auch des Unheils, der Heillosigkeit, der dialektischen Unruhe, Auf¬ 
gerissenheit und Zerrissenheit bedarf. Wie könnte es überhaupt zu 
der Sehnsucht nach Erlösung kommen und zu dem Wunsche nach 
einer Heilung unserer Seele, wenn uns nicht einmal die Angst des 
Daseins umschnürte und das Leben nicht seine Bedrohtheit vor uns 
auftäte, wenn es sich nicht irgendwann und irgendwie einmal in 
seiner Furchtbarkeit als ,,Problem“ entschleierte? In den Tiefen des 
religiösen Lebens ist als eine seiner urmächtigen Voraussetzungen eine 
metaphysische Dialektik wirksam, die erlebt und verstanden sein will, 
ehe noch die Sehnsucht nach religiöser Erlösung wirksam werden kann. 
Und da die Synthese aller dialektischen Geistesbezüge die meta¬ 
physische Geisteshaltung ist und in der Metaphysik diese Synthese 
ihren begrifflichen Niederschlag findet, so hat die Metaphysik eine 
wahrhaft einzigartige Stellung inne, wie von der Religion, so auch 
von der Kunst unterschieden, welche letzteren nur auf Besonderungen 
der umfassenden Dialektik des Geistes, mit anderen Worten auf 
Spezialformen der Dialektik beruhen.- 
Nachdem wir von der Dialektik der Metaphysik schon beinahe 
unzählige Male gesprochen haben, stehen wir nun vor der Aufgabe, 
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