Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Letztere ist eine besondere Todfeindin des Kreuzgewölbes in seiner 
strengem Form; dagegen kann sie sich in das verhehlte, in der Mitte 
zur sphärischen Fläche ausgebildete, sehr gut schicken. 
Die Kassetten jeder Art, auch die sich konzentrisch verjüngenden, 
rechnete Alberti (/. c. L. VII, c. 11) auf dem Papier aus, selbst für sechs¬ 
seitige und achtseitige Räume, und ermittelte deren Ausführung in Zie¬ 
geln und Stukko. - Vgl. § 173. 
Seine Kassetten in der Bogenleibung der Tür von S. M. novella viel¬ 
leicht die frühsten der modernen Kunst? - Die Darstellung der Kas¬ 
setten in Stukko scheint dann Bramante besonders vervollkommnet 
zu haben; Vasari VII, p. 136, 139, v. di Bramante. - Statt aller Gurten 
und Rippen jetzt bald nur Ränder, oft abgestumpft und mit Festons 
bemalt. 
Indes hat die Frührenaissance, die Kreuzgewölbe abgerechnet, noch 
durchgängig die konstruktive Form des Gewölbes zutage treten lassen. 
Vorherrschende Formen: das Tonnengewölbe von halbrundem oder 
elliptischem Durchschnitt, hie und da bereits mit einschneidenden 
Kappen von beiden Seiten; 
das kuppelichte, sogenannte böhmische Gewölbe, ebenfalls wohl 
mit einschneidenden Kappen; 
die Reihenfolge von flachem oder hohem Kuppeln oder kuppelich¬ 
ten Gewölben. 
Das Tonnengewölbe, in seiner Mitte durch Eine Kuppel unterbro¬ 
chen; ungemein schön im kleinen, z. B. an den Vorhallen der Cap. de’ 
Pazzi in Florenz (Brunellesco) und der Umiltà in Pistoja (Vitoni) ; grö¬ 
ßer im Hauptschiff einzelner oberitalischer Kirchen (§ 74). 
(Das Tonnengewölbe in Oberitalien schon zur romanischen Zeit 
heimisch: S. Babila, S. Celso, d. h. die alte Kirche, S. Sepolcro, sämt¬ 
lich zu Mailand, Anderes a. a. O.) 
Cupoletten verschiedener Art, auch backofenförmige sogenannte 
Klostergewölbe. 
Eigentümlich eine Anzahl kleinerer Kuppeln des 15. Jahrhunderts 
in der Art stark aufgewehter Regenschirme, oder an die Muschel¬ 
gewölbe gotischer Chore erinnernd, mit kleinen Rundfenstern rings¬ 
um. 
Die wesentlichen Detailformen des modernen Kuppelbaues (Pfei¬ 
lergesimse, Profile der Hauptbogen, Pendentifs, Kranzgesimse über 
den Hauptbogen, Einteilung oder Gliederung des Zylinders, oberes 
Gesimse desselben, Gliederung der Kuppel) schon jetzt bei den Tos- 
canern ausgebildet, vgl. Madonna delle Carceri in Prato ; für die Lan¬ 
terna war bereits auf der Domkuppel von Florenz im 15. Jahrhundert 
ein Vorbild aufgestellt. 
Dagegen bleiben die übrigen Außenformen der Kuppel noch sehr 
inkonstant, vgl. § 63 bis 65.
	        

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