Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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In Lionardos Papieren Vieles über Mechanik; sein Mühlenbuch usw. 
Über Fra Giocondo, seinen Wasser- und Brückenbau und seine theo¬ 
retische und allseitige Gelehrsamkeit vgl. Vasari, IX,p. 156,160, 162, 
166, v. di Fra Giocondo, Text und Noten. 
Präzise Geister achteten an der Baukunst überhaupt mehr die ma¬ 
thematische als die künstlerische Seite. Federigo von Urbino (§ n) 
schreibt 1468 : »die Architektur ist gegründet auf Arithmetik und Geo¬ 
metrie, welche zu den vornehmsten unter den sieben freien Künsten 
gehören, weil sie den höchsten Grad von Gewißheit in sich haben« 
(Gaye, carteggio I,p. 214, vgl. 276). 
Sebastiano Serlio von Bologna und sein Sammelwerk dell’ architet¬ 
tura (mit verschiedenen Titeln der einzelnen Bücher); die erste Aus¬ 
gabe in Folio, Venedig seit 1540; wir zitieren die verbreitetere Quart¬ 
ausgabe, Venedig 1584. Nicht in theoretischer, sondern mehr in zu¬ 
fälliger Ordnung Aufnahmen aus dem Altertum und eine große An¬ 
zahl von Bauten und Entwürfen der Renaissance, zum Teil von der 
Erfindung des Autors, zum Teil nach Zeichnungen des Baldassar Pe- 
ruzzi, den er mehrmals dankbar nennt. Die Wirkung des Buches nach 
der ungünstigen Seite § 12. 
§ 32 
Polifilo 
Neben der Theorie und der mathematischen Begründung hat auch der 
Gegenpol, die bauliche Phantastik, in der Literatur ein Denkmal hinter¬ 
lassen. 
Der architektonisch-allegorische Roman Hypnerotomachia des Po¬ 
lifilo, d. h. des im Orient gereisten Dominikaners Fra Francesco Co- 
lonna von Venedig, geb. um 1433, gestorben erst 1527. Die Abfas¬ 
sung des Werkes nach 1485, der erste Druck 1499; seither mehrere 
Ausgaben, mit den Originalholzstöcken gedruckt, ohne Seitenzahlen; 
Auszüge bei Temanza, vite de* piü celehri architetti e scultori vene^iani. Vgl. 
Bd. »Kultur der Renaissance« dieser Ausg., S. 127. Es ist eine Liebes¬ 
geschichte im mythologischem und märchenhaftem Kostüm, welche 
wesentlich als Anlaß dient zur Beschreibung und Abbildung idealer 
Gebäude und Räumlichkeiten. Vgl. § 25, 64. 
Indes werden weder Theoretiker noch Poeten so klar, als wir es wün¬ 
schen möchten, von dem großen Übergang reden, der sich unter ihren 
Augen und zum Teil durch sie selber vollzieht. Teils sind sie sich der 
Dinge nicht bewußt, teils verstehen sich diese für sie von selbst. Eine 
spätere Zeit erst konnte die Renaissance als den Stil der Verhältnisse in 
Raum und Flächen im Gegensatz zu allem früheren erkennen. 
Der Raumstil, der das neue Weltälter in der Baukunst mit sich führt, 
ist ein exkludierender Gegensatz der organischen Stile, was ihn nicht
	        

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