Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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gerschaft und Domkapitel geteilt. - Einem Neubau von S. Domenico 
zu Liebe wurde eine Verkehrssteuer beschlossen; Graziani, cronaca, im 
Archiv, stör. XVI, I, p. 318, 418, 575, 620. 
Auf dem herabgekommenen Piacenza lastete aus besseren Zeiten, 
seit 200 Jahren, das Gelübde, eine Madonnenkirche zu bauen; die 
merkwürdige Beratung 1467, mit besorglicher Einrede, der Herzog 
Galeazzo Sforza möchte die Stadt plagen, wenn sie Geldmittel sehen 
lasse; die Ausführung hauptsächlich durch Kollekte mit Hilfe eines 
großen Predigers, Fra Giovanni da Lugo, begleitet von Wundern und 
Zeichen; Annales Placentini, bei Murat. XX, Col. 921 ss. 
In Venedig bekam Sanmicheli (gegen 1540) den Auftrag zum Bau 
der prächtigen Wasserfeste S. Andrea am Lido mit der Bemerkung: 
da er in weiter Ferne die Festungen der Republik (auf Korfu, Kandia, 
Zypern) neu gebaut habe, möge er nunmehr wohl erwägen, was seine 
neue große Verpflichtung mit sich bringe bei einem Bau, welcher ewig 
vor den Augen des Senates und so vieler Herren dastehen müsse. Va- 
sari XI, p. 115, v. di Sanmicheli. 
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Denkweise der Gewaltherrscher 
Die Herrscher, fast alle illegitim und gewaltsam, waren kraft psycho¬ 
logischer Notwendigkeit meist so baulustig, als ihre Mittel es zuließen. 
Bauten waren ein dauerndes Sinnbild der Macht und konnten für die 
Fortdauer einer Dynastie und für ihre Wiederkehr, wenn sie vertrieben 
war, von hohem Werte sein. 
Über das Verhältnis des usurpierten Fürstentums zum Ruhm und 
zur Intelligenz vgl. Bd. »Kultur der Renaissance« dieser Ausgabe, S. 5 
und 88 ff.; das Verhältnis zur Kunst, besonders zum Bauwesen, um¬ 
faßte beides. Vgl. Bd. » Zeit Constantins d. Gr.« dieser Ausgabe, 
S. 330 f. - Die Baupolitik der Medici siehe § 2. 
Gleich der Anfang der italischen Tyrannis ist bezeichnet durch den 
Baugeist des schrecklichen Ezzelino da Romano (f 1259), der Paläste 
über Paläste baute, um nie darin zu wohnen, und Bergschlösser und 
Stadtburgen, als erwartete er täglich eine Belagerung; alles, um Schrek- 
ken und Bewunderung einzuflößen und den Ruhm seines Namens je¬ 
dem Gemüt so einzuprägen, daß für ihn keine Vergessenheit mehr 
möglich wäre; Monachus Paduanus, in fine L. II, u. a. in der Sammlung 
des Urstisius. 
Bald nehmen die Herrscher von Mailand, die Visconti wie die Sforza, 
mit Bewußtsein die erste Stelle unter den bauenden Fürsten ein. 
Giangaleazzo Visconti (f 1402), mit seinem spezifischen Sinn für 
das Kolossale, gründet »das wunderbarste aller Klöster«, die Certosa
	        

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