Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Konservatorenpalastes auf dem Kapitol. Sie entstanden vermutlich 
noch unter Aufsicht Michelangelos, welcher auch für S. Peter das 
Hauptmotiv der vergoldeten Gewölbekassettierung muß angegeben 
haben, obwohl er sonst das Detail der Zierformen nicht liebte (§ 157) 
und seine Gewölbemalerei in der sixtinischen Kapelle davon gänzlich 
freihielt. 
Ein vorzügliches Ensemble die Kapelle der Cancelleria zu Rom; an 
den Wänden unten geringe Malereien in schön gegliederten Rahmen; 
dann über einem reichen Konsolengesims große Halbkreisbilder in 
zierlichen Rahmen; endlich die elegante reichgeteilte Gewölbedecke 
mit weißen Stukkofiguren auf Goldgrund, dazwischen vier kleine Bil¬ 
der, Wappen und Embleme, mit sparsamer Anwendung weniger Far¬ 
bentöne. 
Einzelne noch gute weiße Stukkoarabesken an den Wänden des 
Hofes in der Vigna di Papa Giulio. 
§ 178 
Spätere Dekorationsmalerei und Stukkatur 
Als eine Aufgabe des feinsten Taktes und einer eigentümlich glück¬ 
lichen Phantasie mußte diese Dekorationsweise merklich leiden, sobald 
sie bloß Gegenstand des Luxus und Sache von Künstlern wurde, welche 
nicht mehr das zum Ort und zur Gestalt des Baues Passende zu erfinden 
vermochten, schnell arbeiteten und dem Geschmack pompsüchtiger Be¬ 
steller dienten. 
Im Dogenpalast zu Venedig die Scala d’oro, hauptsächlich von Bat- 
tista Franco unter Leitung des Jac. Sansovino 1538, peinlich prächtig 
und ganz ohne den freien Schwung der raffaelischen Sachen; - von 
Franco auch eine Kapelle in S. Francesco della Vigna, mit kleinlich 
artig ausgemalten Kassetten, v>alla romana«, wie Franc. Sansovino (Ve- 
ne%ta,fol. 14) meint. Vgl. Vasari XI, p. 324, 328, 330, v. diBatt. Franco. 
Im öffentlichen Palast zu Siena, Sala del Concistoro, das reich mit 
Dekorationen und römischen Historien bemalte Gewölbe von Becca- 
fumi 1535, welcher vorher in Genua mit Perino gearbeitet hatte; sehr 
umständlich bei Vasari VIII, p. 182, v. di Beccafumi. - Über Pastorinos 
1552 vollendete Dekoration in der Loggia degli Ufficiali (oder Casino 
de’ Nobili) muß ich auf Vasari VIII, p. 111, Kommentar zu v. di Mar- 
cilla verweisen. 
Besonders lehrreich ist bei Vasari XI, zu Anfang, das Leben des Cri- 
stofano Gherardi; die Dekoration in Stukko und Farben erscheint hier 
bereits um 1540 im Dienste des schnellen Extemporierens, in verhäng¬ 
nisvoller Komplizität mit der Festdekoration (die das Auge an Ver¬ 
gröberung aller Effekte und an Blendung gewöhnen mußte), und in 
allzu naher Verwandtschaft mit massenhafter Fassadenmalerei.
	        

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