Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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In Genua war Montorsoli als Baumeister auch für Brunnen, durch 
das Haus Doria beschäftigt. Ein Seeungetüm, für dieses Haus ge¬ 
arbeitet, ging bereits nach Spanien an Kardinal Granvella. Der Neptun 
mit Wagen und Seepferden in dem von Adlern umgebenen Becken im 
großen Garten zunächst hinter dem Palast, soll jedoch nicht von Mon¬ 
torsoli, sondern von Taddeo Carlone sein. 
Villa d’Este (§124) zu Tivoli, um 1550 unter Pirro Ligorio angelegt, 
durch unbeschränkte Verfügung über den Teverone ein Vorbild aller 
Wasserpracht; alle jetzige Einfassung und Skulptur der Brunnen und 
Grotten erst im Barockstil geschaffen oder überarbeitet, die vielen an¬ 
tiken Statuen, die in der Villa (auch wohl in Verbindung mit den Was¬ 
sern) standen, im 18. Jahrhundert in den Vatikan übertragen. 
In der Vigna di Papa Giulio III. (1550-15 5 5), vor Porta del Popolo 
zu Rom, hauptsächlich von Vignola, die Wasserwerke nie völlig aus¬ 
geführt; auch in dem tief liegenden hintern Hof, einem Asyl alles 
Kühlen, nur das Nympheum in der Mitte vollständig. 
Außerdem von Vignola im wesentlichen herstammend: die Brunnen 
und Terrassenaufstiege der Villa Lante alla Bagnaja vor Viterbo, - die 
Wasser der Caprarola, - sowie in Rom der Aufstieg zu den Orti Farne- 
siani von der großen Pforte am Forum her, mit Treppen und Grotten 
in Absätzen. 
In anderem Sinne einflußreich wurden damals die Brunnenskulptu¬ 
ren der herzoglichen Villa Castello bei Florenz (so benannt nach einem 
antiken Wasser-Castellum), welche seit 1546 durch Nie. Pericoli, ge¬ 
nannt Tribolo, und dessen Gehilfen entstanden; hier sah man (und 
sieht man zum Teil noch) Kinderfiguren, u. a. dem antiken Kinde mit 
der Gans nachgebildet, weibliche Gestalten, die sich das Wasser aus dem 
Haar wanden, Seewidder und andere Meerwunder, den von Herkules 
erdrückten Antäus als Speifigur, Kolosse von Berggöttern mit triefen¬ 
dem Bart, auch die schon sonst üblichen Flußgötter mit Urnen, Vexier¬ 
wasser aller Art, träufelnde Grotten und auch wahre Spielereien. Vasari 
X, p. 256 ss., v. di Tribolo. Ibid. p. 283 ss., v. di Pierino da Vinci. Ibid. XII, 
p. 29, v. di Montorsoli. (Von Tropfsteinen, tarteri, schaffte Antonio da 
Sangallo dem Herzog als Probe eine Saumlast; sein Begleitbrief Gaye, 
Carteggio, II, p. 344, zeigt, daß die Stalaktiten damals in Rom schon 
sehr in Übung waren und daß man dabei bestimmte antike Ruinen als 
Vorbilder nannte.) - Gegenüber der oben aufgezählten Gesamtanlage 
haben hier die Einzelideen und auch die bloßen Einfälle das Überge¬ 
wicht. Wie weit dies auch von dem Brunnenwesen der übrigen Villen 
des Cosimo und seiner nächsten Nachfolger gilt, wissen wir nicht näher 
anzugeben. 
Für Schalen sah man sich bereits nach ungeheuren Monolithen um; 
eine Granitschale von zwölf Braccien aus Elba für den Garten Boboli; 
Vasari X,/>. 278, v. di Tribolo. 
In der Folge griff der mächtigste Meister der nachmichelangelesken 
Plastik, dem man es nie vergessen darf, daß er ein Niederländer war,
	        

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